Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

136 Königreich Bayern. Art 271, Nr. 3. 278. 796.
trage bezeichnten Mobiliargegenstände im Allgemeinen gewiß ist.
Dieß unterliegt nun in dem dermaligen Falle keinem Zweifel.
Die Beklagte hat die angegebenen Gegenstände im Hause des
Klägers versichert und damit selbst zugegeben, daß sie damals daselbst
vorhanden waren. Für die Fortdauer eines thatsächlichen Zustandes
spricht nun aber die Vermuthung und zwar hier um so mehr, als der
zwischen der Versicherung und dem Brande liegende Zeitraum nicht
so groß ist, daß nach gewöhnlicher Erfahrung eine wesentliche Ver-
änderung an den versicherten Objecten anzunehmen wäre, und einzelne
Aenderungen an den Mobiliargegenständen nicht in Betracht kämen,
nachdem es sich hier um Begrifssganze handelt, welche bezüglich der
Neuanschaffungen und der Abgänge einem Waarenlager gleich zu be-
urtheilen sind. Der Widerspruch der Beklagten erstreckt sich auch
gar nicht auf das Vorhandensein der verschiedenen Mobiliargattungen
im Allgemeinen, sondern nur auf die vom Kläger aufgeführten ein-
zelnen Gegenstände, und wäre es ihre Sache gewesen, eine etwaige
A e n d e r u n g in dem früheren Bestände im Wege der Einrede dar-
zulegen.
Fragt es sich nun weiter um den Werth des Mobiliars, so läßt
sich nicht verkennen, daß dieser nur durch Zusammenrechnnng der
Werthe der einzelnen Gegenstände sich ergibt, und wenn dem Klä-
ger noch eine Beweisführung hierüber zngemuthet werden könnte,
würde sich hiebei das Eingehen aus die einzelnen Objecte nicht ver-
meiden lassen. Allein auch hierüber bedarf es eines Beweises Sei-
tens des Klägers nicht mehr.
Im Versicherungswesen unterscheidet man zwischen taxirten und
untaxirten Policen, d. h. zwischen solchen Versicherungen, bei welchen
ein bestimmter Assecuranzwerth in der Police angegeben, und zwischen
solchen, bei denen dieß nicht geschehen ist.
Wenn es nun auch als oberste Regel des Assecuranzvertrages
gelten muß, daß der Versicherte nicht gewinnen, sondern nur seinen
Schaden ersetzt erhalten solle, so hat doch die Schwierigkeit der Be-
weisführung über den Werth vorhanden gewesener und zu Verlust
gegangener Gegenstände schon frühzeitig in Theorie und Praxis dem
allgemeinen Grundsätze Geltung verschafft, daß die Taxe den Ver-
sicherten von der Verbindlichkeit eines ferneren Beweises des Werthes
befreie und immer da die Beweislast auf den Versicherer wälze, wo

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