Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

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Literarische Umschau.

Brinckmann) die Gewinnung neuer Endresultate für die unmittelbare
Anwendung Anderen überläßt. Die große Differenz im Umfange beider
Werke läßt sich daraus erkennen, daß das vorliegende den gesammten
Stoff des bisher erschienenen 1. Bandes des Goldscbmidt'schen Hand-
buchs. wenigstens in der Hauptsache, in der nur 59 Seiten enthaltenen
„Einleitung" zusammendrängt. Das Streben nach Kürze in einem
Werke, dessen Umfang „sich zwischen der Ausführlichkeit eines Handbuchs
und der Kürze eines Leitfadens in der Mitte" halten soll, ist gewiß zu
billigen. Der Verfaffer bestimmt auch sehr richtig den Beruf der Wissen-
schaft dahin, daß sie zum Selbstdenken und Selbsturtheilen erziehen, nicht
der Praxis diese Mühe ersparen soll. Aber die Gleichgültigkeit, welche
er bei der erstarkenden, selbstbewußten Praxis der sogenannten wissen-
schaftlichen Autorität gegenüber voraussetzt, gilt doch eben nur, wenn
diese Autorität blos eine „sogenannte" ist. Wir vermögen daher nicht
ganz die Abneigung zu theilen, mit der der Verfaffer sich gegen die
„Feststellung" von handelsrechtlichen Grundbegriffen ausspricht. Im
Gegentheil würden wir dem Verfaffer dankbar gewesen sein, wenn na-
mentlich in der Einleitung eine genauere Analyse jener Grundbegriffe statt
der unablässigen Verweisungen auf Goldschmidt und Thöl zu finden
wäre. Sicherlich würde dann hier auch eine principiell festere Haltung
nicht zu vermissen sein. Die Praxis verschmäht nirgends die Befruch-
tung durch die Wissenschaft, sondern erkennt gern den Reichthum von
Hülssmitteln und die Ruhe der Untersuchung an, welche jene vor ihr
voraus hat, ohne sich darum im concreten Falle einer einseitigen Bevor-
mundung Preis zu geben. Vor dieser Gefahr wird sie durch die
Mannichfaltigkeit des Lebens hinreichend bewahrt.
Zu einer selbstständigen Durchführung seines Standpunkts kommt
der Verfasser erst im weiteren Verlauf seines Werkes in der Lehre von
den Personen (Einzel-Principal, Hülss-Personal, Handelsgesellschaft) und
Objecten des Handelsrechts. Er zeigt sich hier als ein von den Ideen
der historischen Schule, soweit sie heutzutage als bleibend und allgemein
gültig anerkannt sind, wahrhaft erfüllter Jurist. Der Vers, vertritt
seine Methode so beredt, daß wir ihm gern das Wort abtreten.
„Der heutige Rechtszustand," heißt es in der Vorrede (S. VII),
„ist das Product der gesammten niemals unterbrochenen Entwickelung
der Vergangenheit. Das zum Verständniß zu bringen, und vor dem
Irrthum zu warnen, als wäre jemals willkürlich der Gegenwart das
Recht einer überlebten Culturepoche aufzunöthigen, darf die Wissenschaft
nicht müde werden."
„Geschichtliche Begründung ist sonach. unentbehrlich. Auf sie
muß, wenn auch nur in gedrängter Uebersicht, überall Bezug genommen
werden. Nicht aus Behagen an dem, was bei Laien und selbst bei
Juristen, oft nicht mit Unrecht, als Wust historischer Gelehrsamkeit in
Verruf steht, sondern aus der vollen Erkenntniß der Nothwendigkeit,

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