Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 5 (1865))

Königreich Sachsen.

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Am 14. dess. Mts. übersendeten Beklagte mit der Anzeige des Em-
pfanges der bestellten Quantität Kaffee den Klägern 2000 M. B.
vorläufig mit dem Bemerken, sie würden mit weiteren Anschaffungen
einkommen, sie blieben sonach mit 2778 M. B. 13 Sch. in Rest.
Ueberdieß disponirten Beklagte gleich nach der am 11. April 1863
erfolgten Ankunft des Kaffee's über 26 Säcke, indem sie vom Lager
des hiesigen Steueramts am 11. April die Säcke Nr. —, den
14. April die Säcke Nr. — entnahmen."
Die beklagte Firma machte die Einrede der Fehlerhaftigkeit der
Waare geltend und begründete dieselbe also:
„Sie erhielt von dem Commis des Agenten der Klägerin W.
eine Probe Kaffee, welcher als Capitanias - Kaffee bezeichnet wurde,
vorgelegt. Sie untersuchte diese Probe, ließ den Kaffee brennen und
fand ihn ganz schmackhaft und preiswürdig. Es geschah dieß im
Beisein und unter Mitwirkung des vereideten Maklers Th. Nach
dieser Probe bestellte die Beklagte bei dem Bevollmächtigten der
Klägerin 78 Säcke Kaffee; Letztere hatte daher probemäßig zu liefern,
wenn sie ihrer Berpflichtung Nachkommen wollte.
Unterm 7. April 1863 sandte Klägerin die Factura nebst 2 Pfd.
Kaffee, welche ihrer Angabe nach dem bestellten Kaffee in der Quali-
tät entsprechen sollten, an die Beklagte ab. Die übersendete Factura
entsprach der mündlichen Kaufsverhandlung nicht, weil darin Com-
missionsprovision und Spesen berechnet worden. Außerdem war der
Kaffee in der Factura als Cap. Mel. bezeichnet, während der kläge-
rische Bevollmächtigte nur von Capitanias - Kaffee gesprochen hatte.
Die Beklagte legte jedoch und legt noch heute auf diese Bezeichnung
keinen Werth, sie verlangt nur, daß der gelieferte Kaffee dem
Kaufsmuster, nach welchem sie den Kauf abgeschlossen hat, ent-
sprechen soll.
Am 11. April 1863 kam die Waare in D. an und wurde vom
Steueramte in Verwahrung genommen. Die Waare befand sich in
verschlossenen Säcken. Da die verklagte Handlung Lu gros. Ge-
schäfte in Colonialwaaren betreibt und der von ihr gekaufte Kaffee,
wie aus der bestellten Quantität leicht zu ersehen ist, zum Weiterver-
kauf an Kaufleute bestimmt war, so hatte die Beklagte unter den an-
gegebenen Umständen weder die Möglichkeit, noch die Veranlassung,
die gelieferten 78 Säcke einer genauen und sorgfältigen Untersuchung

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