Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

Königreich Sachsen.

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theilung des Sachverhältnisses, beauftragt hätten, von dem Beklag-
ten die 50,000 Gulden und 25,000 Gulden Nationalanleihe für sie
an- und in Empfang zu nehmen und den Preis, den Beklagter dafür
von ihnen nach der Verabredung zu fordern gehabt, dem Beklagten zu
bezahlen und ihnen in Rechnung zu setzen. Wie nun genannter O.
diesen Brief, welcher von ihnen am 30. März mittels Eilzugs nach
Berlin abgesendet worden sei, am 31. März in den Frühstunden in
Empfang genommen und gelesen, auch
b) derselbe den ihm darin ertheilten Auftrag angenommen habe,
so hätten sie, Kläger,
c) ebenfalls am 30. März einen Brief, worin sie ihm specielle
Mittheilung von der Beauftragung. O's. zur Empfangnahme der
Papiere und zur Zahlung des Kaufgeldes in ihrem Namen gemacht,
an den Beklagten geschrieben und recommandirt durch die Stadtpost
abgesendet, welchen Brief Beklagter noch an demselben Tage, oder
am 31. März in den Frühstunden auch in Empfang genommen und
gelesen habe.
Nun ist zuvörderst schon, wenn man auch das Anführen unter
a und c als geeignet für den Eidesantrag ansehen wollte, doch jeden-
falls, wie bereits die vorige Instanz, Bl. ff. mit Recht eingehalten hat,
die Behauptung unter b:„O. habe den ihm ertheilten Auf-
trag angenommen", eine für den gebrauchten Eidesantrag nicht
geeignete. Je gewisser aber für die Kläger, wenn sie nicht selbst am
Lieserungstage in Berlin sich einfinden wollten, die Bestellung eines
geeigneten Stellvertreters am dortigen Platze das allermindeste
war, was sie thun konnten und mußten, um ihren Verbindlichkeiten
zur Abnahme und Zahlung zu genügen, um so zweifelloser würde
schon dieser Mangel allein geeignet gewesen sein, die Abweisung der
Klage zu rechtfertigen, wenn letztere nicht — wie dieses nach der
Ansicht des Oberappellationsgerichts der Fall ist — auch noch aus
den nachstehenden ebenso erheblichen Gründen unschlüssig wäre.
Warum von Beklagtem auf die Mittheilung der Kläger über
die erfolgte Bevollmächtigung O.'s etwas nicht erwiedert worden ist
— wenigstens behauptet derselbe, daß solches geschehen sei, selbst
nicht — ob Beklagter geschwiegen, weil er vielleicht, Kläger würden
selbst nicht praestanda prästiren, vorausgesetzt oder wenigstens ge-
hofft habe, dieses kann bewandten Umständen nach ebensodahinge-
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. V. 25

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