Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

Königreich Bayern.

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Den gemeinen Handelswerth der beschädigten Waare am Orte
und zur Zeit der Ablieferung hat Klägerin in ihrer Klage gar nicht
näher dargelegt.
Sie gibt den Betrag des Erlöses aus dem Verkaufe der
beschädigten Güter und den Facturapreisderselben an, bemerkt
zwar, daß hier nicht der Facturawerth als Maßstab in Anwendung
zu bringen sei, sondern jener Werth, den die einzelnen Güter ohne
Beschädigung am Orte und zur Zeit ihrer Ablieferung gehabt haben
würden, stellt aber diesen Werth nicht in bestimmten Ziffern auf,
sondern bezeichnet ihn als jenen Betrag, um den diese Güter von den
Bestellern an dem Orte ihres Handelsgeschäftes verkauft worden
wären, und zwar im Detail, da dieselben zum Detailverkauf bestimmt
gewesen seien, und nimmt nun diesen Betrag resp. Werth ohne
nähere Begründung um 10% höher an als den Facturawerth.
Eine solche Schadensersatzberechnung steht nicht im Einklänge mit
der Vorschrift des Art. 396. Der gemeine Handelswerth der Waare
am Orte und zur Zeit der Ablieferung ist nicht der Preis, um welchen
sie daselbst der Detailist verkauft, sondern der Preis, um welchen sie
der Versender oder Empfänger am Orte und zur Zeit der Ablieferung
sich verschaffen kann.
Diesen Preis hätte Klägerin angeben sollen, wenn sie glaubte,
auf solchen eine den Facturapreis übersteigende Forderung gründen
zu können.
Der Zuschlag von 10% zu dem Facturawerth ist ein willkür-
licher, in keiner Weise gerechtfertigter und kann daher bei der Fest-
stellung der Ersatzforderung nicht berücksichtigt werden. Um wie viel
der gemeine Handelswerth am Orte und zur Zeit der Ablieferung
den Facturawerth übersteige, hat Klägerin anzuführen unterlassen;
es kann daher der Berechnung der Ersatzforderung nur der von ihr
angegebene, nach ihrer Behauptung geringere Facturawerth zu
Grunde gelegt werden.
Daß der Facturawerth ein höherer sei als der gemeine Han-
delswerth der Waare zur Zeit und am Orte der Ablieferung, wurde
vom Beklagten überall nicht geltend gemacht, derselbe hat vielmehr
in seiner Vernehmlassung selbst den Facturawerth als Maßftab
für die Schadensberechnung bezeichnet. Der Facturawerth
bedarf aber keines weiteren Beweises, denn dieser Werth ist eben

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