Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

Königreich Bayern.

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bei dem gewöhnlichen, nach Art und Umfang des Geschäfts zu be-
messenden Geschäftsgänge möglich ist. Es ist hierbei dem Empfänger
des Antrages stets eine angemessene Frist zur Ueberlegung, ob er den
Antrag mit Vortheil ausführen könne, zu gönnen und insbesondere
zu berücksichtigen, daß derselbe in Abwickelung etwaiger weiterer,
vielleicht gleich dringlicher Geschäfte nicht gehindert sei.
Von diesem Standpunkte aus beurtheilt kann es nicht als
Pflicht des Klägers erachtet werden, daß er, wie Verklagter will,
noch am 19. Nvbr. oder am 20. Nvbr. noch vor Abgang des um
9 Uhr 15 Minuten Vormittags durch Nördlingen passirenden
Schnellzuges seine Erklärung abgegeben oder gar die Waare selbst
versendet hätte. Kläger mußte seinen Annahmsbrief, wenn er anders
noch mit diesem Bahnzuge abgehen sollte, im Falle der Recomman-
dation eine Stunde, außerdem eine halbe Stunde vor Abgang
desselben aufgeben, vorher mußte derselbe geschrieben und zur Expedition
getragen werden, so daß Kläger bei der vorgerückten Jahreszeit, in
welcher die Geschäftszeit nicht vor 8 Uhr Morgen zu beginnen pflegt,
allzusehr gedrängt gewesen wäre, hätte er die Beförderung seines
Briefes mit jenem Bahnzuge bewerkstelligen wollen. Zudem ist die
Angabe, er habe erst seine Vorräthe prüfen müssen und insbesondere
noch am 20. November v. M. Lieferungen von Aufkäufern erwartet,
von denen die Ausführung der Lieferung abhängig gewesen, nicht so
unglaublich, daß sie nicht bei Bemessung der Erklärungssrist in
Betracht gezogen werden dürfte.
Kläger hatte vielmehr seiner Verpflichtung vollständig Genüge
geleistet, wenn er die Waare so zeitig dem Spediteur zur Weiter-
beförderung aufgab, daß dieselbe, wie unbestritten feststeht, am
21. Novbr. Morgens mit der Eisenbahn weiter befördert werden
konnte. Ebenso war es, wenn man auch eine besondere Nachrichts-
ertheilung über die Ausführung der Bestellung für erforderlich halten
wollte, nach dem im Handelsverkehre bestehenden Brauche, welcher
gemäß Art. 279 des allg. deutsch. H.-G.-B. in dieser Beziehung
zunächst in Betracht zu ziehen ist, vollkommen rechtzeitig, wenn
Kläger die jene Nachrichtsertheilnng enthaltende Factura gleichzeitig
mit Abgang der Waare selbst auf die Post zur Weiterbeförderung .
gab. Daß dieses aber jedenfalls und spätestens am 21 November
Morgens geschehen sei, ist gleichfalls außer allem Zweifel.

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