Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

300 Verschiedenheit der Stellung des Käufers und des Verkäufers.

gibt der Börsen- und Marktpreis vollen Beweis, hier gilt er gar
nichts, und doch könnte dadurch, daß eine Waare in größerer Masse an
den Markt gebracht wird und verkauft werden muß, um den erforder-
lichen Beweis herzustellen, der sonst vermerkte Börsen- oder Markt-
preis noch um ein Bedeutendes zum Nachtheil des säumigen Käufers
gedrückt werden. Wenn sich dereinst derartige Fälle ereignet haben
werden, so möchte anzunehmen sein, daß die Gerichtshöfe von ihrer
allerdings durch die Nürnberger Protokolle unterstützten Schärfe
der Auslegung des Art. 343 des H.-G.-B. zurückkommen werden; ließe
sich doch auch mit gutem Grunde ausführen, daß die Bestimmungen
über den Verkauf eine Sicherung des Käufers Herstellen sollen, und daß
es unbenommen sei, eine marktgängige Waare unter der Hand zu ver-
kaufen, wenn dabei nachweislich ein höherer als der vermerkte
Marktpreis erzielt werde.
Wie die Sache jetzt liegt, muß der Verkäufer bedenken, daß
er zur thatsächlichen Erfüllung des Vertrages im'Stande sein muß,
die Waare muß niedergelegt oder verkauft werden, der Inhalt des
Vertrages reduzirt sich nicht auf ein Rechenexempel; der Käufer
dagegen will die Waare gar nicht haben, kauft sie deshalb auch nicht
anderweit; berechnet sich aber dennoch den Preisunterschied und klagt
ihn ein. Ist die Waare am Lieserungstage unter den verabredeten
Preis gefallen, so wird der Käufer nicht übernehmen wollen; hat der
Verkäufer die Waare nicht auf Lager, und verschmäht er es, durch
einen Scheinverkauf den Beweis des Art. 343 zu erbringen, so hat
ihm seine richtige Spekulation a la baisse nichts genutzt. Ist dagegen
die Waare über den verabredeten Preis hinauf gestiegen, so wird der
Verkäufer nicht liefern wollen; Käufer legt sein Subtraktionsexempel
an und begründet seine Forderung.
Das heißt, Differenzgeschäfte a la baisse sind nicht klagbar,
dagegen stehen Differenzgeschäfte a la hausse in voller Kraft.
Durch das Verbieten des Einen, will man das Andere verhindern.
Offenbar ist die Scheu, die reinen Differenz-Spiel-Geschäfte
formell zu unterstützen, auf die Redaktoren des H.-G.-B. nicht ohne
Einfluß gewesen; soll nun einer solchen windigen Spekulation auch
keineswegs das Wort geredet werden, so wird doch auch der gegen-
wärtige gesetzgeberische Versuch sie zu beseitigen ohne Erfolg bleiben.
Schon ist, wie erwähnt, die glückliche Spekulation h la hausse

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