Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

mit Dritten geschlossenen Verträgen.

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Wir begeben uns damit auf ein Gebiet, auf dem man im ge-
meinen Rechte nicht blos über einzelne Rechtssätze, sondern über
das Princip selber, die Möglichkeit der Stellvertretung, verschiedener
Meinung ist. Im R. R. war Stellvertretung durch freie Personen
beim Vertragsschlusse nicht zulässig. Es galt der Grundsatz: per
liberam personam nihil acquiri. Nur durch den servus und
filius familias konnte man erwerben, aber nicht verpflichtet werden.
Dieß Grundprincip konnte aber mit dem lebendiger und mannich-
faltiger werdenden Verkehr nicht durchgehends aufrecht erhalten
werden. Der Prätor, das Organ der Rechtsentwicklung, statuirte
Ausnahmen. Das prätorische Edict gab die actiones adjecliciae
qualitatis (de in rem verso, quod jussu, institoria, exercitoria),
mit denen der Dritte gegen den pater familias, den praeponens
und den exercitor seinen Anspruch aus den mit dem Stellvertreter
geschlossenen Verträgen verfolgen konnte. Später wurde die actio
quasi institoria dem Dritten gegen einen jeden Machtgeber ans
den Geschäften seines Vertreters gegeben. Der Stellvertreter blieb
aber immer noch nebenbei verhaftet, nam hoc edicto non trans-
fertur actio sed adjicitur (fr. 5, § 1, D. 14. 1.).
Daneben ward nun auch dem Geschäftsherrn eine utilis
actio (emti, conducti, ex stipulatu etc.) gegen den Dritten ge-
geben, jedoch nur causa cognita, und im Nothfalle, wenn faetische
oder juristische Hindernisse die Cession unmöglich machen, z. B. bei
der Insolvenz des Vertreters (si modo aliter rem suam servare
non potest fr. 1. 2, D. 14. 3.; fr. 13, § 24, D. 19. 1). Auch nach
andern Richtungen hin ward durch actio utilis ein unmittelbares
Klagerecht des Geschäftsherrn gegen den Dritten anerkannt. Man
gab sie dem pupillus ans den Verträgen des tutor, und den städti-
schen Behörden aus den Verträgen des actor. Eine utilis condictio
ex mutuo, utilis actio commodati et depositi ward gegeben,
wenn der Empfänger mit einem Stellvertreter des Gebers eontrahirt
hätte n. s. w.
Ob und inwieweit nun diese Ausnahmefälle über ihren ursprüng-
lichen Wirkungskreis hinaus auf ähnliche oder alle Fälle der Stell-
vertretung auszudehnen seien (oder schon zu Justinian's oder der
Glossatoren Zeit ausgedehnt waren) — darum bewegt sich der theo-
retische Prineipienstreit. Doch ist wohl die überwiegende Mehrheit

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