Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

den Telegraphen übermittelten Commissionen sich durch Versehen rc. 181
doppelte Telegraphirung kein unbedingtes Sicherungsmittel ist, ver-
mögen wir eine solche Verpflichtung um so weniger anzuerkennen,
als, wie wir oben nachgewiesen haben, im Falle das Telegramm
weder unsinnig oder zweideutig noch sonst von auffälligem Inhalt ist,
der Adressat stets berechtigt ist anzunehmen, daß er den wahren In-
halt erfahren hat, oder vielmehr daß er diejenige Willensmeinung des
Absenders, welche derselbe für die seinige anzuerkennen verbunden ist,
erfahren hat. Allerdings muß auch der Adressat wissen, daß der Tele-
graph ein unzuverlässiges Correspondenzmittel ist und daß Irrungen
häufig Vorkommen. Aus diesem Grunde ist er denn auch verpflichtet,
diesen Umstand in der Art und Weise, wie er die Anfrage beantwortet,
zu berücksichtigen. Er darf nicht einfach antworten „ja" oder „nein,"
sondern er hat die Sache, die Zahl, den Preis u. s. w. um so mehr
in seine Antwort auszunehmen, als dadurch die Kosten derselben in
keiner Weise vertheuert werden. Stimmt nun der Inhalt der Ant-
wort mit dem der Anfrage nicht überein, so ist der Ofserirende unzweifel-
haft zu Reklamationen verpflichtet, damit der wahre Sachverhalt klar
gestellt werde. Unterläßt er die nöthigen Reclamationen, so hat er-
es sich selbst zuzuschreiben, wenn er wegen Schadensersatz in Anspruch
genommen wird, denn er hat in diesem Falle nicht mit der Sorgfalt
eines ordentlichen Kaufmanns gehandelt. Im vorliegenden Falle
könnte es freilich zweifelhaft scheinen, ob die empfangene Antwort den
Offerirenden zu Reclamationen hätte veranlassen müssen, da er das
„Ich acceptire" des G. recht wohl als eine Acceptation seiner Offerte
auffassen durfte. Dadurch erhält der vorgefallene Jrrthum eine un-
verkennbare Aehnlichkeit mit dem casus, den hier aber unter allen
Umständen der Offerirende zu tragen verpflichtet ist, weil er in Be-
ziehung auf die von ihm unternommene Telegraphirung als dominus
negotii erscheint, und der casus von dem dominus zu tragen ist
(easum sentit dominus). Aber auch wenn man die Analogie des
easus nicht will gelten lassen, so läßt sich doch nimmermehr läugnen
daß der Adressat lediglich in Folge der Offerte des Absenders in
Schaden gekommen ist und zwar ganz direct und ganz unschuldig.
Denn der Schaden liegt allein darin, daß der Offerent nicht liefern
kann, wie er anbot und der Adressat acceptirte. Was aber einer ver-
spricht, und eine acceptirte Offerte steht hierin dem Versprechen ganz
gleich (und ob das Versprechen mündlich oder schriftlich, persönlich

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