Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

den Telegraphen übermittelten Commissionen sich durch Versehen re. .175
sub. 2) wollen freilich den Absender einer Depesche ebenfalls für
haftbar erklären, doch nur für den Fall, daß derselbe der Telegraphen-
behörde eine Depesche aufgegeben, welche einen Schreibfehler enthielt,
also für den Fall, wo nicht der Telegraphist, sondern der Absender
selbst den Fehler begangen und selbst den Jrrthum bei dem Empfänger
veranlaßt haben sollte. Ja dieß wird auch noch aus den weiteren
Fall ausgedehnt, daß der Absender auch dann haften soll, wenn das
unrichtige Telegraphiren etwa durch falsche Auffassung, durch un-
richtiges Lesen von Seiten des Telegraphisten veranlaßt worden und
an solchem Mißverstehen der aufgegebenen Depesche die unleserliche
Schrift derselben schuld gewesen sein sollte.
Bon Serafini's Standpunkt aus erscheint uns diese Argu-
mentation sehr inconsequent. Denn auch hier mangelt es an einer
Willensübereinstimmnng und der Mandatscontract ist in Folge
dessen nicht zum Abschlüsse gelangt. Soll indessen trotzdem der Man-
dant hasten, weil er die Ursache war, daß der Mandatar in Schaden
versetzt worden war, so muß er aber consequenter Weise auch dann
für haftbar erklärt werden, wenn der Mandatar durch einen Fehler
oder Jrrthum des Telegraphisten u. s. w. in Schaden kam, da einzig
und allein der Absender des Telegramms die erste Ursache ist und
bleibt und zwar die in Mangel an Diligenz wurzelnde Ursache, daß
der Mandatar in Folge der ihm übermittelten unrichtigen Botschaft
Schaden erlitten hat. Es ist aber von selbst einleuchtend, daß hieran
auch der Umstand (wenn man dieß mit S erafini annehmen will
und dieß hat an sich nichts Bedenkliches), daß die Wahl des Tele-
graphendrahts als Correspondenzmittels an und für sich keine culpa
in sich schließt, nichts zu ändern vermag. Denn sobald man behauptet,
daß der Absender eines Telegramms nur unter der Voraus-
setzung für haftpflichtig erklärt werden dürfe, wenn man annehme,
daß schon die Wahl des Telegraphendrahts an sich eine culpa in sich
schließe, so würde man ebensogut zu der Annahme berechtigt sein,
Serafini wolle behaupten, daß schon in dem bloßen Umstande, daß
der Absender eine undeutliche (undeutlich in welchem Grade? Wer soll
berechtigt sein, die Grenze zwischen „leserlich" und „unleserlich"
festzustellen?) Hand schreibt, an sich eine zu vertretende culpa zu
befinden sei. Dieß wird doch Niemand im Ernste behaupten wollen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer