Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

den Telegraphen übermittelten Commissionen sich durch Versehen rc- 171
empfange (Art. 296). Das Handelsgesetzbuch legte hier nicht den
geringsten Werth auf die Willensmeinung des Principals, des Ab-
senders, sondern es hat lediglich das Berkehrsinteresse, das allgemeine
Interesse des Publicums im Auge.
Bei dieser Auffassungsweise der Haftpflicht des Principals für
sein gesammtes Handelspersonal und des Dienstherrn für seine
Dienstboten wird man dem bekannten, mehrfach citirten*) Satze von
Lauterbach (Diss. de nuncioth. 51)
quiquid nuncius dicit vel facit praeter vel contra
commissionem, illud ipso jure nullum
nur wenig Werth beilegen können, wenigstens insofern als man dem
Absender des Boten von jeder Haftpflicht für das, was der Bote
außer und gegen seinen Auftrag gethan hat, befreien will. Es er-
scheint kaum nöthig, noch besonders hervorzuheben, daß die Quellen gar
nicht von dem Boten, sondern überall nur von dem Mandatar reden.
§ 8. I. III, 6; 1. 5 D. mandati 17, 1; 1. 5 §, 11 & 12 v.
de inst. act. 14, 3; 1. 10 C. de procurat. 2, 13.
Aber wenn man auch diese Aussprüche der Quellen in Betreff
des Mandatars ebenso von dem Boten will gelten lassen, so würde
aus denselben doch immer nur so viel folgen, daß in Bezug auf das,
was der Bote gegen seinen Auftrag gethan hat, dem Adressaten gegen
den Absender nicht die Contractsklage, nicht die Klage aus Erfüllung
soll zustehen; keineswegs folgt aber daraus, daß dem Adressaten über-
haupt jeder Klaganspruch, auch der aus Entschädigung, etwa mittelst
einer actio in factum praescriptis verbis abzusprechen sei. Mag
sich selbst eine solche Klage nicht aus ausdrückliche Zeugnisse der
Quellen stützen lassen, so darf sie darum doch nicht für unzulässig
erklärt werden. Wir stimmen vielmehr in dieser Beziehung ganz mit
IHering überein. Unsere Rechtsanschauung ist in vielen Punkten
eine freiere und liberalere geworden, die von der formalen Strenge
des r. R. gänzlich abweicht. Dieß zeigt sich nirgends deutlicher als
auf dem Gebiet des Handelsrechts, welches zwar die Begriffe ae-
quitas, bona tides, diligentia auf dem von den römischen Rechts-
lehrern gelegten Grunde, aber doch in selbstständiger und den ausge-

*) Serasini 1. c. pag. 80, Reyscher in der Zeitschrift für deutsches Recht,
XIX. S. 293.

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