Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 5 (1865))

den Telegraphen übermittelten Commissionen sich durch Versehen re. 169
Das Stadtgericht verurtheilte die Jrrenhausverwaltung zur
Zahlung aus folgenden Gründen:
1) Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das dem K. behän-
digte Büchelchen als eine Vollmacht, welche denselben zum Ankäufe
von Maaren bei dem Kläger Jacob H. ermächtigte zu betrachten ist
und daß, sobald K. diese Vollmacht vorzeigte, H. berechtigt war, ihn
als zum Ankauf ermächtigt anzusehen.*)
Zufolge dieser Vollmacht erscheint nun die Jrrenhausverwaltung
verpflichtet, für die Handlungen des K. einzustehen, und eine Zurück-
nahme der Vollmacht konnte sie hiervon nicht befreien, so lange diese
Zurücknahme nicht zur Kenntniß des Dritten, welcher auf Grund
jener Vollmacht Geschäfte mit dem Bevollmächtigten abgeschlossen,
gelangt war. Ob aber der Borzeiger der Vollmacht durch eine
widerrechtliche Handlung in deren Besitz gekommen, ist der Dritte
nicht verpflichtet nachzuforschen, am allerwenigsten in Fällen wie der
vorliegende, wo der Aussteller der Vollmacht dieselbe bereits früher
als für ihn verbindlich ausdrücklich anerkannt hatte. Allerdings er-
scheint der Dritte zur Vorsicht verpflichtet, aber Alles, was K. auch
später auf Grund der Vollmacht gethan, die Quantität der Maaren,
welche er abholte, war durchaus nicht auffällig, und es kann die Jrren-
hausverwaltung auch nicht aus diesen Ursachen die Verantwortlich-
keit für das, was K. auf Grund seiner Vollmacht that, von sich ab-
wälzen. Zu dem gleichen Resultate gelaugt man aber, wenn man K.
nur als Dienstboten der Jrrenhausverwaltung will gelten lassen;
denn es ist allgemein anerkannt, daß die Dienstherrschaft in allen
denjenigen Fällen für die Handlungen ihrer Dienstboten aufzukommen
hat, in welchen ein Dritter nach den besonderen Umständen des Falles
annehmen durfte, daß der Dienstbote im Aufträge der Herrschaft
handle.
*) Man könnte auch zufolge des oben angegebenen Inhalts der ersten Seite
des fraglichen Büchelchens dieses als eine Anweisung an den Handelsmann
Jacob H. betrachten, so daß H. als Mandatar und K. als der Bote erschiene oder
auch H. als Assignat und K. als Assignatar. Für die Frage der Zahlungspflicht
der Jrrenhausverwaltung würde das Resultat dasselbe bleiben, und nur behufs
der Benutzung dieses Falles zu unserem gegenwärtigen Processe würde es uns
mehr zniagen, wenn, was durchaus zutreffend erscheint, Jacob H. als Mandatar
der Jrrenhausverwaltung und K lediglich als Bote aufgefaßt worden wäre.

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