Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

148

Zur Lehre vom Betrug

carere non possunt." Nun bittet Canius, ihm die Villa zu ver-
kaufen. Phthius weigert sich. Canius bietet immer mehr, und
kauft endlich die Villa für einen Ungeheuern Preis. Als er Tags
darauf wieder hinaus geht, findet er keinen Fischer, keinen Kahn. Alles
ist öde und leer, und man erzählt ihm, daß gestern alle jene Fischer
von Phthius ausdrücklich herausbestellt und zu jenem Schauspiele
angewiesen seien.
Niemand wird hier zweifeln, daß P h thi u s (den Nachweis aller
dieser Thatsachen vorausgesetzt) jenes Schauspiel in der dolosen Ab-
veranstaltet habe, den Canius zum Ankäufe der Villa für einen
übermäßigen Preis zu veranlassen, und daß dem Canius alle aus
dem Betrüge entspringenden Rechtsmittel zustehen. Die Thatsachen
sind hier durchweg perspicua indicia, die eine andere Deutung und
Erklärung nicht zulassen. Auch Cicero meint, daß der praetor
dem Canius die foramla de dolo malo gegeben haben würde.
Da dieselbe aber erst später von Cicero's Collegen, dem praetor
0. Aquillius Gallus (687. a. U. c.) publicirt sei, so sei dem
Canius damals nicht zu helfen gewesen.
In einem andern Falle, der dem Kreisgerichte in Burg vorlag,
wurde Mangels eines vollständig nachgewiesenen Causalnexus kein
Betrug angenommen, obgleich auch hier der Verdacht eines solchen
sehr nahe lag. Der Besitzer einer Sägemühle verkaufte an einen
ihm bis dahin unbekannten Mann, der sich H olzh ändler Herrmann
aus Magdeburg nannte, eine Quantität Bretter für 310 Thlr. Der
Verkäufer versprach sofortige Absendung der Bretter nach Magdeburg
und creditirte das Kaufgeld auf 1 Monat. Glücklicherweise erfuhr er
noch vor der Absendung, daß der Käufer Herrmann nur ein Handels-
mann sei, der neben seinem Victualienhandel auch einen Kleinhan-
del mit Holz betrieb; daß er ganz mittellos, und mehrfach fruchtlos
ausgepsändet sei. Nun hielt er die Waare zurück, indem er sich wegen
Betruges und wesentlichen Jrrthums über die Solvenz des
Käufers zum Rücktritte vom Vertrage für befugt erachtete. So entstand
der Proceß. Wenngleich nun der Sprachgebrauch unter „Holzhändler"
in der Regel nur den Besitzer einer größeren Holzhandlung versieht,
nicht einen Handelsmann, der das Holz nach Stücken und Kloben an
kleine Leute verkauft, so hatte doch der Herrmann sein Gewerbe nicht
absolut unwahr bezeichnet. Auch erhellte nicht klar, daß er beim Ge-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer