Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

2 Ein Beitrag zur örtlichen Geltung der Handelsrechtssatze.
ab, mit dem Ersuchen, dieselbe sobald als möglich an C. weiterzube-
fördern. Als die Waare in Thorn angekommen, läßt N. dieselbe
wegen einer Forderung an C. mit Arrest belegen. Sobald W. dieß
erfahren, widerruft er den dem N. gegebenen Auftrag, und gibt ihm
auf, die Waare an einen andern Kaufmann in Polen zu befördern.
N. weigert sich dessen, und will die Kiste nur gegen Befriedigung
wegen seiner Forderung an C. herausgeben, indem er behauptet, daß
mit dem Momente der Absendung von Birmingham event. mit der
Empfangnahme der Kiste seitens des N. dieselbe in das Eigenthum
des C. übergegangen sei. W. klagt, und N. wird verurtheilt ohne
Weiteres die Kiste an W. herauszugeben, und zwar aus folgenden
Gründen: „Nach den Bestimmungen und Grundsätzen des H.-G.-B.,
welche zur Anwendung zu bringen, da beide Theile sich auf dieselben
berufen, sei nicht anzunehmen, daß schon mit der Absendung der
Waare von Birmingham dieselbe für dem C. übergeben zu erachten
sei (Art. 344 H.-G.-B., S. 632. 1375, 4731 ff. der Cönf.-Prot.).
Ebensowenig komme es auf die Empfangnahme der Waare seitens des
N. an, denn N. sei als Beauftragter, Stellvertreter des C. nicht an-
zusehen. Wenn C. auch wirklich, wie er behauptet, in seinem Bestell-
briefe angeordnet habe, daß die Kiste nach Thorn an N. abgesendet
werde, so liege darin doch nichts weiter als die Bezeichnung eines
Spediteurs, dessen Vermittelung zu Waarensendungen nach Polen
stets erforderlich sei. Die Constituirnng eines Auftragsverhältnisses
zwischen C. und N. sei um so weniger anzunehmen, als C. dem N.
eine Anweisung für ihn in Empfang zu nehmen niemals gegeben.
Habe hiernach eine Uebergabe der Waare an C. resp. einen Stell-
vertreter desselben nicht stattgefunden, so habe C. auch kein Eigen-
thum an der Waare erworben, weshalb die Beschlagnahme derselben
zur Deckung einer Forderung des N. an C. eine ungerechtfertigte ge-
wesen sei."
Zwei Fragen sind es also vorzugsweise, auf welche Gewicht ge-
legt wurde:
1) Mit welchem Augenblicke ist beim Kaufe von individuell nicht
bestimmten Sachen die von einem anderen Orte übersendete
Species für tradirt zu erachten?
2) Ist der Spediteur als Mandatar des Verkäufers oder als
Stellvertreter des Käufers anzusehen, und inwiefern kann

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