Full text: Volume (Bd. 5 (1865))

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Zur Lehre von der Commanditgesellschaft, namentlich zu

gesellschast der geschäftsführende Gesellschafter die übrigen offenen
Gesellschafter vertrete, und aus den Verträgen , die nur ein geschäfts-
führender offener Gesellschafter geschlossen habe, die Klage unmittel-
bar gegen die übrigen offenen Gesellschafter zulässig sei, so könne auch
der Nebengesellschafter unmittelbar wegen der vom Hauptgesellschafter
im Namen der Commanditgesellschaft geschlossenen Verträge in An-
spruch genommen werden.
Dabei übersieht aber v. Hahn den wesentlichen Unterschied zwi-
schen dem offenen und dem Nebengesellschafter. Der offene Gesell-
schafter haftet für die Gesellschaftsschulden nicht blos mit seinem in
die Gesellschaft gebrachten Vermögen, sondern nach Art. 112 auch
solidarisch und persönlich. Diese unbedingte persönliche Ver-
pflichtung für die Schulden der Gesellschaft erzeugt eben diejenige
unmittelbare Obligation zwischen dem Gläubiger der offenen Gesell-
schaft und jedem einzelnen offenen Gesellschafter, auf Grund deren
der Gläubiger einer offenen Handelsgesellschaft nicht gehalten ist, sich
nur an denjenigen offenen Gesellschafter zu halten, welcher mit ihm
im Namen der offenen Gesellschaft contrahirt hat.
Dagegen haftet aus den im Namen der Commanditgesellschaft
geschlossenen Verträgen der Nebengesellschafter nicht für seine Person,
sondern, wie unser Art. 165 sagt, nur mit seiner Einlage. Es fehlt
in unserem H.-G.-B. an jeder Bestimmung, welche, im Widerspruch
mit dem Wesen der Commanditgesellschaft, eine persönliche unmittel-
bare Verpflichtung der Nebengesellschafter gegen die Gläubiger der
Commanditgesellschaft begründete.
Dennoch will v. Hahn aus Abs. 2—5 des Art. 165 ein posi-
tives Beweiselement für ein unmittelbares Verhältniß zwischen den
Gesellschaftsgläubigern und den Nebengesellschaftern entnehmen. Wenn
nämlich, so sagt v. Hahn, in Folge des Gesellschaftsvertrages oder
eines Beschlusses der Gesellschafter der Commanditist Gelder aus der
Gesellschaftscasse entnimmt, so hat die Gesellschaft unter keinen Um-
ständen ein Rückforderungsrecht, ebenso gibt sie durch Erlaß der Ein-
lage oder eines Theils derselben ihren Anspruch auf Zahlung der-
selben vollständig auf. Wenn daher bestimmt ist, daß der Comman-
ditist, sobald durch diese Bezüge sein Geschäftsantheil unter den Betrag
der Einlage gebracht ist, mit dem zurückbezahlten bis zur Höhe der
Einlage für die Gesellschaftsschulden hastet, so kann die Haftung auf

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