Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

Königreich Württemberg. Art. 355—357.

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Rechts ist nur von der Voraussetzung abhängig gemacht, daß entweder
ein genauer Lieferungstermin bedungen (Art. 357) oder die Vor-
schrift des Art. 356 befolgt ist. Macht nun der Käufer von diesem
Rechte Gebrauch, so erklärt er damit, daß er Erfüllung gar nicht
wolle. Daraus folgt aber, daß er auch den Vortheil nicht bean-
spruchen kann, der ihm durch das Nichthaben der Sache während
der Verzugszeit entgeht. Mit Ausübung seines Wahlrechts ver-
zichtet er hierauf und erklärt sich, so lange er nicht einen weiteren
Schaden speciell zu begründen versucht, was ihm stets freisteht, eben
durch die getroffene Wahl thatsächlich mit der Preisdifferenz zufrieden,
welche zwischen Kaufpreis und Marktpreis zur Zeit der geschuldeten
Lieferung besteht, sofern es nur von seinem Willen abhing, eine andere
Wahl zu treffen.
In diesem Sinne ist im Hinblick auf den ersten Absatz des
Art. 35 und den Wortlaut des dritten Absatzes dieses Artikels die
fragliche Gesetzesbestimmung auszulegen und ergibt sich dieß auch
aus den darüber gepflogenen Verhandlungen,
vgl.Protocolle, S. 4595—4602;
wenn auch — aus anderweitigen, nicht hierher gehörigen Gründen
vgl. S. 4601/2
die Versetzung und Verallgemeinerung der Vorschrift des Art. 357,
Abs. 3 abgelehnt werden ist.
Vgl. Kräwel, Handelsgesetzbuch, S. 473;
Auerbach, im Archiv für Wechselrecht, Band XIII,
S. 120. 121;
Mako wer, Handelsgesetzbuch, S. 218, Nr. 44;
Koch, Commentar, S. 357, Nr. 46;
Wolfs in Löhr Centralorgan, I, S. 205;
vgl. auch Dresdner Commiss.-Prot., S. 9O6/7 u. 4179;
Dresdner Entwurf, Art. 357, Abs. 3.
Endlich wurde in dieser Ationssache noch ausgesprochen, daß
wenn der für die Schadensberechnung maßgebende Tag zwischen zwei
Börsentage fällt, der dem maßgebenden Tage vorangehende Börsentag
der für die Schadensersatzberechnung entscheidende ist, mag der Preis
bis zum nächsten Börsentage steigen oder fallen, sofern es an allen
Anhaltspunkten für die Preisbestimmung des in der Mitte liegenden

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