Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

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Königreich Württemberg. Art. 343. 354.

ursachten Kosten, sowie durch die Unbestimmtheit der Zahlungszeit
des sehr beträchtlichen Kaufschillings für letzteren ergeben würde, ohne
eine ausdrückliche und speciell hierauf gerichtete Verabredung nicht
vorausgesetzt werden kann. Zudem ergibt sich aus dem eigenen Vor-
trage des Beklagten, daß auch er beim Vertragsabschlüsse von der
Voraussetzung ausging, die zur Abfassung nöthigen Säcke werden in
Paris sofort verfügbar sein.
Hienach war der Kläger berechtigt, zu verlangen, daß die durch
die Zusendung der Säcke bedingte Abnahme der verkauften Waare
durch den Käufer nicht über die zum Transport der Säcke von Paris
nach Ulm erforderliche Zeitdauer hinausgerückt werde. Die in dein
Schreiben des Klägers vom 1. Decbr. v. I. enthaltene Aufforderung
zur Lieferung der Säcke erscheint nicht verfrüht, da seit der am 13.
November v. I. erfolgten telegraphischen Bestellung bereits ein Zeit-
raum verflossen war, welcher zur Beischaffung der Säcke im ordent-
lichen Geschäftsgänge vollkommen genügt hätte. Durch diese Mah-
nung und die damit verbundene Androhung des Weiterverkaufs des
Hafers für den Fall weiterer Zögerung wurde sonach der Käufer be-
züglich der Abnahme der Waare in Verzug gesetzt, und es bedarf als
selbstverständlich keiner weiteren Ausführung, daß im vorliegenden
Falle, wo die Möglichkeit der Absendung des Klagobjects von Seite
des Klägers durch den vorherigen Empfang der durch den Beklagten
zu liefernden Säcke bedingt war, die dem Beklagten zur Last fallende
Verzögerung der Sacklieferung in rechtlicher Hinsicht zugleich dessen
Verzug in der Abnahme der Waare selbst in sich begreift.
Da der Beklagte mit der Uebernahme der Verbindlichkeit zu
Beschaffung der Säcke auch die Garantie für deren Vorhandensein
stillschweigend übernommen hat, so wird der Verzug desselben in Ab-
nahme der Waare auch nicht dadurch aufgehoben, wenn wie derselbe
behauptet, die erforderliche Anzahl von Säcken in Paris rechtzeitig
nicht hätte beigebracht werden können.
Auch das beklagterseits behauptete Anerbieten zur Zahlung des
Kaufpreises vor Empfangnahme der Waare erscheint nicht- geeignet,
die Folgen des Verzugs in Empfang nähme der Waare, aus welchem
der Kläger seine Befugniß zur Wiederveräußerung ableitet, aufzu-
heben. Die Folgen des Verzugs, bezüglich der Abnahme der Waare
hätten nur dadurch vermieden werden können, wenn der Beklagte

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