Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

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Königreich Württemberg. Art 337 flg.

betrifft, so enthält sein Schreiben vom 14. Februar d. I. die Weisung,
für seine Rechnung den Kaufgegenstand an einen Dritten zu versenden.
Hiermit ist an sich nur ein von dem Wohnorte des Käufers ver-
schiedener Ablieferungsort bezeichnet, es fehlt aber an jeder Erklärung
darüber, daß Käufer mit dem dem Verkäufer überlassenen Preisansatz
einig gehe, daß er auf seine Befugniß, die zu versendende Waare zu
prüfen und je nach Beschaffenheit derselben deren Annahme zu ver-
weigern, verzichte, oder allgemein, daß er die unbesehene Waare über-
nommen haben wolle und daß die Versendung der Waare als einer
in das Eigenthum des W. B. übergegangenen erfolgen solle. Auch
die Erklärungen des Beklagten gehen nicht weiter als dahin, daß er
den Weisungen des Gemeinschuldners hinsichtlich des ihm vorge-
schriebenen Lieferungsorts sich gefügt habe, wenn er am 15. Februar
den Käufer benachrichtigt, daß er das bestellte Oel „für ihn" an I. B.
abgesandt habe und in der Factura und im Frachtbrief dasselbe „zur
Verfügung" des Käufers an I. B. dirigirt.
Es kann demnach nicht angenommen werden, daß Käufer oder
Verkäufer eine weitergehende Absicht hatten als die: es solle die
Prüfung und Annahme des Kaufsgegenstands in Metzingen, sei es
durch den Käufer selbst oder durch denjenigen, an welchen er weiter ver-
kauft hatte, erfolgen. Diese Auffassung entspricht auch am meisten den
unbestrittenen Verhältnissen der Contrahenten. Für W. B., welcher
mit Agentur- und Commissionsgeschäft sich befaßte, lag auch, wenn er
ein Geschäft aus eigene Rechnung machte, und jedenfalls nach seinen
im gegenwärtigen Fall gegebenen Weisungen das Interesse darin, die
erkaufte Waare nicht auf Lager zu bekommen, sondern alsbald mit
Nutzen wieder umzuschlagen, es ist also erklärlich, daß er seine An-
nahme der Waare von der Billigung seines Käufers abhängig machen
konnte, aber kaum denkbar, daß er auch für den Fall begründeter
Zurückweisung der Waare durch den letzteren seinerseits eine fehler-
hafte Waare unbesehen für angenommen anerkennen werde.
IV. Nimmt man daher auch an, daß die nach dem Kaufsantrage
und der Auflieferung der Waare zur Eisenbahn noch mangelnde
Einigung der Contrahenten über den Kaufpreis durch den, wie be-
hauptet wird, im Auftrag des Käufers erfolgten Eintrag der Forderung
des Beklagten in die Geschäftsbücher des W. B. erfolgt und damit
der Kaufvertrag perfect geworden sei, so fehlte es immer noch an der

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