Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

Königreich Württemberg. Art. 335 u. 347.

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Zusicherung die Waare nicht im geringsten entspreche, weil dieselbe
blos dem äußeren Anscheine nach noch in dem Zustande sich befinde,
in welchem sie von den Producenten verpackt worden ist, in Wahrheit
aber ungebunden und mit schlechter Wolle gemischt sei.
Der Kläger bestreitet nicht, daß ihm die Beschaffenheit der Wolle
bekannt gewesen sei, zieht jedoch in Abrede, dem Beklagten die be-
hauptete Versicherung gegeben und eventuell unter dem Ausdruck
„Schäferwolle" dasjenige verstanden zu haben, was der Beklagte da-
mit bezeichnet wissen wolle, indem er, der im Königreich Bahern
wohnhaft und nicht Wollhändler sei, unter Schäferwolle inländische,
d. h. deutsche Wolle, im Gegensatz von ungarischer oder australischer
verstehe.
Betreffend die Bedeutung dieses Ausdrucks am Orte des Ge-
schäfts, so haben sich die Sachverständigen dahin ausgesprochen:
Schäferwolle ist ein im Handel vorkommender technischer Ausdruck,
worunter diejenige Wolle verstanden wird, welche noch in der Ori-
ginalverpackung vorhanden ist, d. h. in der ursprünglichen, vom Pro-
ducenten selbst nach der Schur in der Weise vorgenommenen Ver-
packung, daß immer nur das Product eines Schafs als Schepper
zusammengelegt und gebunden wird.
Daß die von dem Kläger erkaufte Wolle in diesem Sinn der
Bezeichnung durch Schäferwolle nicht entspreche, daß dieselbe vielmehr
ungebundene Wolle sei, und in den einzelnen sog. Scheppern unter
einer besseren Decke zum größeren Theile künstlich eingebundene Wolle
enthält, welche nur einen Werth von etwa 80 fl. per Centner habe
und von so schlechter Beschaffenheit sei, daß sie von einem Tuchmacher
in seinem Gewerbe regelmäßig nicht verarbeitet werde, und nicht als
Handelsgut mittlerer Art bezeichnet werden könne, haben die vom
Gerichte vernommenen Sachverständigen, wie schon die von der Orts-
behörde bestellten, angegeben, es hat auch der Kläger dießfalls den
Behauptungen des Bekl. nicht weiter widersprochen. Dagegen be-
ruft der Kläger sich darauf, daß die Wolle schon vor dem Kaufe dem
Käufer offen vorgezeigt und ihre Beschaffenheit daher demselben be-
kannt, oder doch bei gehöriger Achtsamkeit leicht zu erkennen ge-
wesen sei.
Diesem Vorbringen sind die Sachverständigen insoweit beige-
treten, als dieselben angegeben haben, daß man sich im Wollhandel

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