Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

Bezirk des O--A-Gerichts zu Lübeck. Art. 891—894. 431
gen könne dahin, daß es „zunächst gewiß dem wirklichen Versicherten
an und für sich nicht verwehrt sein kann, die ihm von dem Assecura-
deur zukommende Entschädigung selbst einzucassiren. Bei gehöri-
gem Beweise des Interesse und genügender Legitima-
tion wird der Versicherer sich nicht weigern können, ihm
die Zahlung zu leisten."
Auf eine genügende Legitimation d. h. auf den Nachweis, daß
der Fordernde wirklich der Versicherte sei, komme es also nach Poehls
Auffassung des vor dem H.-G.-B. geltenden Rechts an, nicht aber
auf den Besitz der Police.
Appellant glaube nun aber ferner behaupten zu können, daß das
angefochtene Erkenntniß, durch Voigt's Autorität verleitet, die Be-
stimmung des Art. 892 mißverstanden habe, daß in Wahrheit dieser
Artikel eben so wenig, wie das früher hierorts geltende Recht, die
Schadensforderung des Versicherten unter allen Umständen von dem
Besitz der Police abhängig machen will. Das Erkenntniß a quo
corrigire den Text des H.-G.-B.s, wenn es sagt, nach Art. 892 könne
der Versicherte nur dann vom Versicherer die Zahlung verlangen,
wenn er die Police beibringt. Das Wort „nur" stehe gar nicht im
Art. 892 und das Fehlen dieses Wörtchens mache die ganze Differenz
zwischen der vom Handelsgericht adoptirten und der richtigen Aus-
legung des Artikels.
Aus den Protocollen der Seerechts-Conferenz ergebe sich mit
Deutlichkeit, daß unter den Mitgliedern sehr verschiedene Ansichten
über die Stellung des Versicherten und des Versicherungsnehmers
zum Assecuranzvertrage obwalteten und bei einzelnen Bestimmungen
bald die Ansicht, welche den Nehmer lediglich als Mandatar des Ver-
sicherten, bald diejenige, welche ihn selbst als den wahren Contra-
henten bei Abschluß des Versicherungs-Vertrages ansehen wollte, zur
Geltung gelangte. Das im H.-G.-B. enthaltene schließliche Resultat
dieser Debatten trage den Charakter eines Compromisses. Zwar ist
der Versicherte als der allein berechtigte Contrahent anerkannt, dem
Nehmer soll aber doch — um der Praxis zu genügen — auch ein
eignes Recht aus der durch ihn geschlossenen Versicherung auf die
Versicherungsgelder zustehen. Eine Schwierigkeit, welche in der
Conferenz wiederholt besprochen wurde, war aber, wie diese Rechte
des Nehmers geschützt werden sollten, ohne dem Rechte des Versicher-

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