Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

Königreich Württemberg. Art. 324. 342. 345.

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waren, wie im Innern derselben, so ist das eine Erscheinung, die auch
dem Laien als eine natürliche sich darstellt und schon aus diesem
Grunde, und noch mehr im Zusammenhalte mit dem, was Beklagter
selbst gesehen zu haben zugibt, nämlich daß Tüpfelchen und Spuren
von Regentropfen wahrzunehmen gewesen seien, und was während
der Kaufsverhandlung gesprochen worden ist, muß es als grobe
Fahrlässigkeit bezeichnet werden, wenn Beklagter es unterlassen hat,
eine vollständige, sorgfältige und erschöpfende Untersuchung der ihm
vorgewiesenen Rindenhaufen vorzunehmen. Daß eine derartige Unter-
suchung , nötigenfalls unter Beihülfe Dritter, wegen mangelnden
Raumes Physisch unmöglich gewesen wäre, kann das Gericht nach der
Schilderung der Räumlichkeiten, wie Bekl. sie selbst gibt, nicht an-
nehmen. Sachverständige aber darüber zu hören, daß beim Rinden-
hanvel eine eingehende Untersuchung, wie sie diesseits verlangt wird,
nicht üblich sei, erscheint nicht geboten, weil in einer Uebnng, wie sie
behauptet wird und über die sich, bei der Verschiedenheit der einzelnen
Fälle ohnehin ein allgemeiner Ausspruch kaum geben ließe, jedenfalls
nur eine thatsächliche Behandlungsweise, und nicht ein, positiven
Gesetzesbestimmungen entgegenstehender Handelsgebrauch gefunden
werden könnte.
Die Bemühung des Beklagten geht dahin, die an der Rinde ge-
fundenen Mängel als nicht sichtbare, vielmehr als nach anderen
Grundsätzen zu behandelnde, geheime Mängel erscheinen zu lassen.
Allein den wirklich nicht sofort entdeckbaren (geheimen) Mängeln setzt
der Handelsgebrauch nur diejenigen Mängel gleich, die ohne eine der
Waare selbst, insbesondere deren Verpackung schädliche, ins Einzelne
gehende Untersuchung nicht gefunden werden können, so bei in Fässern
und Kisten befindlichen Maaren, bei solchen, die in der Original-
packung weiter veräußert zu werden pflegen, bei Tuch- und Leinwand-
ballen rc.
Conserenzprotocolle,S. 647;
Treitschke, Kaufcontract, § 94, S. 225.
Unter derartige Maaren kann aber ein offen daliegender, wenn
auch umfangreicher Rindenhaufen nicht gezählt werden, so wenig als
die vom Beklagten für seine Ansicht beispielsweise angeführte Frucht
auf dem Speicher, die beim Platzkaufe ebenso eingehend untersucht
werden kann und muß wie die Rinde, um die es sich hier handelt.

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