Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 740.

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folgern sein, daß der von dem Capitän freiwillig an Bord genommene
und mit der Leitung des Schiffes betrauete Lootse durch sein Nersehen
die Haftung des Schiffes für den verursachten Schaden ebensowohl
herbeiführen könne, als wenn der Capitän selber oder ein Anderer von
der Schiffsbesatzung etwas versehen hätte.
(Bgl. S. 2032 der Berathungsprotocolle.)
2) Es kommt aber noch ferner in Betracht der Art. 445 des
H.-G.-B.s, welcher dahin lautet:
„Zur Schiffsbesatzung werde gerechnet der Schiffer, die Schiffs-
mannschaft, so wie alle übrigen auf dem Schiffe angestellte Per-
sonen."
Daß hier unter den übrigen angestellten Personen nicht etwa
nur die beim Abgang des Schiffes außer der Schiffsmannschaft an-
genommenen Personen: Aufwärter, Maschinisten, Schiffsärzte u. s. w.
sondern auch alle diejenigen zu verstehen sind, welche während der
Reise an Bord genommen und mit einer bestimmten Function auf dem
Schiffe betrauet werden, kann schon nach dem Wortlaut gar keinen
Zweifel leiden; und so wenig demnach der Anfang dieser Anstellung
mit dem Anfänge der Seereise zusammenzufallen braucht, ebensowenig
kann darauf etwas aukommen, ob die angestellte Person außerordent-
licherweise nur für eine kurze Strecke oder bis zum Ende der Seereise
auf dem Schiffe fungiren sollte oder nicht. Es muß also, überein-
stimmend mit den in Sachen Heydorn c. Drem Antoine-Feill entwickelten
Motiven dritter Instanz, nach dieser gesetzlichen Definition angenom-
men werden, daß die auf dem Schiffe vom Capitän angestellten LootseN
im Allgemeinen mit zu der Schiffsbesatzung zu rechnen sind. In diese
Kategorie würde dann aber auch der Zwangslootse ebenso unbedenklich
mit einbegriffen sein. Denn wenn auch der Capitän rechtlich ge-
zwungen ist, denselben an Bord zu nehmen, so bleibt doch die eigent-
liche Anstellung desselben auf dem Schiffe, sei es am Steuer oder
auf der Brücke, immer die Sache des Capitäns; ja er würde sogar
verantwortlich bleiben, wenn er diese Anstellung auch dann noch ge-
währen wollte, wenn er eine absolute Unfähigkeit oder Trunkenheit,
oder gar die Absicht, das Schiff durch Verrath Preis zu geben, auf
Seiten des Zwangslootsen gewahr würde.
3) Endlich ist aber noch im Art. 740 für das Verhältniß eines
solchen Zwangslootsen eine besondere Vorschrift dahin enthalten:

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