Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 639 flg. 327
Rappssaat zu jeder Jahreszeit, im Frühjahr nach versäumtem Markte,
oder im heißen Sommer verladen zu lassen und an den Markt zu bringen.
Sieht man nun aber auch von dieser Unbestimmtheit, diesem
Schwanken in der Angabe des Zweckes ab und hält sich zunächst
a) au den in erster Instanz angegebenen speciellen Zweck, so ist
es klar, daß dieser sich aus der Charter nicht erkennen ließ. . Der
Beklagte macht dafür geltend
a) daß er ein Dampfschiff, also ein schnelles Beförderungs-
mittel gefruchtet habe, obgleich die Fracht viel höher sei, als die eines
Segelschiffes. Allein die höhere Fracht kann nicht in Betracht kommen,
da sie, wie bekannt und der Beklagte hat zugeben müssen, durch die
niedrigere Versicherungsprämie mehr als eompensirt wird. Auch
würde dann die Regel des Art. 639 bei allen Kornverladungen mit
Dalnpfschiffen hinwegfallen. Ueberdieß spricht gegen den behaupteten
Zweck der Umstand, daß Beklagter, indem er ein Schiff fruchtete,
welches sich am 3. November, dem Tage des Contracts, noch in
Aarhus befand, ohne auch nur einen Termin auszubedingen, bis zu
welchem die Zureise augetreten werden müsse, die Gefahren dreier
in der schlimmsten Jahreszeit und zwar durchs Kattegat zu machenden
Reisen übernahm. Offenbar war dieß vielmehr geeignet, dem Ver-
frachter die Meinung zu geben, daß dem Beklagten an einem schnellen
Transport seiner Waare nicht besonders liege, geschweige denn ihn
als Zweck erkennen zu lassen, daß die Waare noch vor Eintritt des
Winters verschifft werden solle. Wenn ferner
ß) der Beklagte die Natur der Rappssaat, als einer nur in der
kalten Jahreszeit zu verschiffenden Waare, und die angeblichen Ver-
hältnisse des Rappssaatmarktes als Erkennungsmomente seines be-
sonderen Zweckes geltend macht, so braucht hier in die vom Gegner
mit Recht bestrittene Behauptung des Beklagten nicht näher ein-
gegangen zu werden, da es auf flacher Hand liegt, daß der Zweck des
Beklagten, die Waare noch vor Eintritt des Winters verschifft
zu haben, sich daraus in keiner Weise erkennen ließ.
Legt man dagegen
b) das vom Beklagten in zweiter Instanz über seinen Zweck An-
gegebene zum Grunde, so bedarf es gar keiner Untersuchung, ob dieser
Zweck sich aus der Charter habe erkennen lassen, indem es dann klar
ist, daß am 31. Januar, wo der Beklagte sich vom Vertrage losgesagt

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