Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

326 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 639 flg.
beider Contrahenten als nothwendig statuirte, sondern ans der An-
nahme der Möglichkeit, daß der Rheder oder Schiffer durch Ver-
frachtung seines Schiffes, außer dem allgemeinen Zweck, Fracht zu
verdienen, auch seinerseits einen besonderen, der Vereitelung ausge-
setzten Zweck könne erreichen wollen.
Prot., S. 3986/4067—68.
Was ferner
2) die Anwendung der solchergestalt ihrem Sinne nach fest-
gestellten Ausnahme-Bestimmung auf den gegenwärtigen Fall betrifft,
so kann es sich nur fragen:
Was war der für den Kläger bei Abschluß der Chartepartie er-
kennbare specielle Zweck des Beklagten, als er am 3. Novbr. 1866
das damals noch in Aarhus befindliche Dampfschiff charterte, um,
nachdem es die eingenommene Ladung nach Amsterdam gebracht haben
werde, unverzüglich nach Aalborg zu Vorsegeln, um eine Ladung
Rappssaat für Amsterdam einznnehmen? und würde dieser Zweck
vereitelt worden sein, wenn das Schiff nicht am 31. Jan. 1867 in
Aalborg eingetroffen wäre?
Schon in der Angabe des Zweckes, den er durch Charterung des
klägerischen Schiffes habe erreichen wollen, macht Beklagter sich einer
bedenklichen Unbestimmtheit schuldig.
In erster Instanz gibt er seinen Zweck wörtlich dahin an, er habe
die Rappssaat möglichst schnell in Holland auf dem Markte haben
und nicht (in Aalborg) überwintern lassen wollen, was bekanntlich
bei Getreideoder Rappssaat schwierig und kostspielig sei. Danach
wäre also der Zweck gewesen, die Waare v or Eintritt des Winters
in Amsterdam zu haben. In zweiter Instanz dagegen wird die An-
gabe dieses Zweckes nicht weiter festgehalten, wie der Beklagte es
ja auch nicht wohl konnte, ohne mit seinem eigenen Verfahren in
Widerspruch zu treten, da er ja nach seinem Briefe vom 7. Januar
1867 sich an den Contract gebunden erachtete, wenn das Schiff nur
vor Ende Januar in Aalborg einträfe, wo doch fast die Hälfte des
Winters bereits verflossen war. Vielmehr stellt er hier Alles auf die
Natur der Rappssaat im Gegensatz zu anderem Getreide, als einer
Waare, die sich, weil sie keine Hitze vertrage, nur in der kalten Jahres-
zeit verladen lasse, und nur im Winter einen Makt finde, und er
folgert daraus, daß es nicht sein Zweck gewesen sein könne, seine

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer