Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

324 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 639 flg.
1) diese Distinction ist dem ganz allgemein auch von einem
Unfälle vor der angetreten Reise redenden Gesetze fremd und
darf daher auch vom Richter nicht hinein interpretirt werden. Es
stehen ihr
2) auch allgemeine Rechtsgrundsätze nicht zur Seite. Denn ob
durch einen Unfall die Antretung der contractlichen Zureise, oder
deren Fortsetzung einen Aufschub erleidet, kann nach allgemeinen
Grundsätzen keine verschiedene rechtliche Wirkung haben. Derjenige,
welcher ein noch auf einer Vorreise begriffenes Schiff chartert, muß
auch den auf dieser Reise möglichen Aufenthalt in seine Berechnung
aufnehmen. Auch würde der Grundsatz des Beklagten, wenn er
richtig wäre,
3) eine viel größere Tragweite haben, als der Beklagte ihr ein-
räumt. Kläger haben den Fall hervorgehoben, wo bei einer com-
binirten Reise die stipulirte Zureise zwar in Ballast gemacht wird,
aber ohnehin vom Schiff gemacht werden mußte, z. B. um Kohlen
einzunehmen. Näher liegt der auch bei einer einfachen Reise mögliche
Fall, wo das gecharterte Schiff schon im Hafen liegt, um die Ladung
einzunehmen, aber noch beschäftigt ist, die dorthin gebrachte Ladung zu
löschen und in dieser Zeit durch einen Casus z. B. durch Ansegelung
oder Feuer beschädigt wird, und, ehe es die contractliche Reise an-
treten kann, noch erst repariren muß. Nach dem Grundsätze des Be-
klagten würde der Befrachter sich in diesem Falle ohne Weiteres vom
Vertrage lossagen dürfen, nicht aber dann, wenn der Unfall das
Schiff traf, nachdem die'Löschung der alten Ladung beendet war
und es bereit lag, die neue Ladung einzunehmen. Ein Princip,
welches zu solchen Consequenzen führt, kann nicht wohl das des
Gesetzes sein.
Tritt die Regel des Art. 639 nun im .vorliegenden Falle ein,
so fragt es sich,
B) ob etwa der erst bei der zweiten Lesung in denselben auf-
genommene Ausnahmefall vorliegt,
daß der erkennbare Zweck des Vertrags durch einen
solchen zufälligen Aufenthalt vereitelt werden würde.
Hier ist nun, was
1) das Verständniß dieser Bestimmung betrifft, dem Beklagten
darin beizutreten, daß das Obergericht unter dem Zweck des Vertrags

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