Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 560. 317
treten könne und gleichwohl eine sich zeigende Reparaturbedürftigkeit
den Rechten des Schiffers keinen Eintrag thun durfte. Welche
Wirkung die Nothwendigkeit von Reparaturen auf den Eintritt oder
Nichteintritt und eventuell auf den Anfang der Contractzeit habe,
hing hier, wie in ähnlichen Fällen, von den Umständen ab. In gegen-
wärtigem Falle handelt es sich um eine, ausweise der Documente,
auf welche die Beklagten bei ihrer Beschwerdeführung sich allein
stützen, sehr geringfügige Reparatur, durch deren Ausführung die
Beladung und schleunige Abfertigung des Schiffes nicht verhindert
oder verzögert werden konnte. Es ergibt sich nämlich aus der Natur
der Sache, daß die Beseitigung eines Schiffes im Ruderschaft, dessen
die klägerischen Sachverständigen Erwähnung gethan haben, keine
irgendwie lange Zeit erfordert. Die Beklagten selbst haben überdieß
bescheinigt, daß die Reparatur, und zwar zu einer Zeit, als kein
Grund zur Eile bestand, in 6 Tagen vollständig ausgeführt worden
ist. Endlich haben die Beklagten weder behauptet, noch geht etwas
darauf Gerichtetes aus den beigebrachten Schellhaß'schen Schreiben
hervor, daß irgend ein Aufenthalt durch die an dem Steuerruder
Vorgefundene Schadhaftigkeit veranlaßt worden ist oder in dem Falle
bewirkt worden sein würde, wenn die Agenten der Beklagten über
das Schiff sogleich nach dessen Ankunft in Shanghae hätten dispo-
niren wollen. Auf das klägerischerseits beigebrachte Attest der
Shanghae-Schiffsbaumeister, daß die Schadhaftigkeit des Steuer-
ruders bei weitem unerheblicher gewesen sei, als die Besichtigungs-
männer Anfangs angenommen hätten, kommt es nach dem Obigen
nicht an. Die Grundlosigkeit der beklagtischen Behauptung, Capi-
tän Rüssel habe sich im Verhältniß zu den Beklagten dadurch prä-
jndicirt, daß er nach Wiedereinhängung des Steuerruders den Schell-
haß & Co. keine förmliche Anzeige von selbiger gemacht habe, bedarf
keiner Ausführung. Endlich würde, mit den früheren Richtern,
6V6ntua1it6r auch das für durchschlagend zu Ungunsten der Beklag-
ten zu halten sein, daß sdas Steuerruder und dessen Reparatur-
bedürftigkeit überhaupt keinen Gegenstand der von Schellhaß & Co.
ausgehenden Monitur gebildet haben, die Nichtbeladung und resp.
Nichtabfertigung der Bolina vielmehr einer andern Ursache — den
Einwendungen der Schellhaß & Co. gegen die Seetüchtigkeit des
Schiffes im Allgemeinen — actenkundigermaßen beizumessen sind.

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