Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 16 (1869))

248 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 355. 356. 357.
weil Kläger sich nicht zugleich bereit erklärt hätten, den Beklagten
sämmtliche den Beklagten erwachsenen Kosten und Schäden zu erstatten.
(Wolfs und Madai von der mora) Kläger seien deshalb even-
tuell auch aus diesem Grunde mit der Klage abzuweisen; jedenfalls
könnten aber Beklagte doch nur verurtheilt werden, die Waare zu em-
pfangen, gegen Verpflichtung der Kläger, den Beklagten die bisheri-
gen Kosten, die Proceßkosten, die Kosten des Gutachtens der Sach-
verständigen und den Unterschied des Marktpreises der verkauften
Waare an dem Tage des ersten Angebots und an dem Tage, an wel-
chem die dem Contract entsprechende Lieferung offerirt wird, zu
erstatten. Er bitte demgemäß zu erkennen.
Kläger replicirten: Das thatsächliche Verhältniß sei das fol-
gende: Gekauft sei auf Lieferung eine mit einem bestimmten Schiffe
zu verladende Waare, Rosinen. Aus dem Connossement ergebe sich,
daß 4616 Trommeln zusammen hierher verladen worden sind, und
daß dieselben mit verschiedenen Marken versehen. Aus diesem Grunde,
daß die Partie nämlich verschieden gemarkt, könne, wie Beklagte aber
persönlich in früherer Audienz deponirt hätten, der Empfang offenbar
nicht verweigert werden. Die ganze Partie sei aus dem Dampfschiff
Cosmopolitan, mit welchem dieselbe von London hierher gebracht, in
3 Schuten gelöscht worden. Die erste Schute war für die Beklagten
bestimmt und legte an deren Speicher an. Beklagte verweigerten
aber den Empfang, weil, wie sie erklärten, es ihnen an dem Tage
nicht paßte. Am anderen Tage seien den Betagten in der zweiten
Schute, welche wieder an den Speicher derselben anlegte, 1200 Trom-
meln angedient worden, während die dritte Schute direct an den
Speicher der Kläger kam. Aus der zweiten Schute wurden von den
Beklagten 15—20 Trommeln, wie dieselben persönlich in früherer
Audienz zugegeben, von vier oder fünf verschiedenen Marken heraus-
genommen, in Gegenwart des Maklers Lauezzari besichtigt und trotz
der Erklärung desselben, daß die Waare seiner Ansicht nach gut und
gesund, wurde die ganze Partie auf Grund des Besichts von nur
15—20 Trommeln, also von nicht einmal 2% von den Beklagten
aufgeschossen. Diese zweite Schute wurde dann als die letzte ebenfalls
auf den Speicher der Kläger ausgeladen. Demnach sei es höchst wahr-
scheinlich gewesen, daß die Trommeln, welche zur Zeit der Besichtigung
durch die gerichtsseitig ernannten Sachverständigen oben auf und vorn

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