Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 64. 157
weshalb Kläger beim Handelsgerichte eine Klage anstellte. Dasselbe,
2. Kammer, erkannte am 16. Mai 1868:
da hier über die Beurtheilung des fraglichen, soweit es den
Kläger betrifft, allerdings anerkannten Schriftstückes und eines
Commis, welcher dergleichen, und gar mit dem Lehrling, verfaßt und
zu Papier bringt, ebensowenig etwas auszusprechen ist, wie darüber,
ob man einen solchen Commis im Geschäft behalten kann, für die zur
Entscheidung stehende Frage aber maßgebend sein muß, daß das bei-
gebrachte Schriftstück unter Verschluß verwahrt worden, und demnach
zwar auf die Beurtheilung des Betreffenden einen Schluß er-
lauben mag, nicht aber eine Handlung und That genannt werden
kann, demnach auch unter den Begriff des Lebenswandels gar nicht
fällt;
da das sonst Vorgetragene zur Rechtfertigung der sofortigen
Entlassung ersichtlich nicht genügen kann, wie es denn dieselbe gar
nicht veranlaßt hat;
da, anlangend die Behauptung, der Kläger sei nur vorläufig
zur Probe mit 14tägiger Kündigungsfrist engagirt gewesen, solche
Behauptung theils ohne alle weitern Anführungen nicht genügend
substantiirt erscheint, theils den concedirten und feststehenden Tat-
sachen des Falles widerspricht, namentlich sowohl der unbestritten ge-
bliebenen Verabredung eines Salärs von jährlich 800 als dem
Umstande, daß Kläger seit Januar im beklagtischen Geschäft gear-
beitet hat, und dem Zusammentreffen dieser beiden Umstände;
vgl. auch Erkenntniß des Handelsgerichts in Sachen Bil
gegen Reimers vom 11. Juli und 9. Novbr 1867;
da demnach der Beklagte sachfällig erscheint und nach dem Recht
des Statuts und der Praxis dem Commis das Salair eines Viertel-
jahrs zu bezahlen hat;
da aber hinsichtlich des Erkenntnisses über die Kosten das bei-
gebrachte Schriftstück den Principal immerhin zweifelhaft machen
mochte, was er zu thun habe und thun dürfe:
daß die Einwendungen des Beklagten zu verwerfen und derselbe
zu verurtheilen, dem Kläger ein einvierteljähriges Salär mit
Ct./. 200. — sammt Zinsen vom Tage der Klage, dem
28. März v. I. innerhalb 8 Tage, bei Strafe der Zwangs-
vollstreckung zu bezahlen, die Kosten aber zu compensiren.

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