Full text: Volume (Bd. 16 (1869))

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Herzogthum Braunschweig. Art. 360 flg.

Die Beschaffenheit des Geschäfts läßt genügend übersehen, daß
die Hingabe und der Empfang eines in gutem Glauben als werth-
habend angesehenen Papiers, welches als solches Deckung für das
Geschäft gegeben haben würde, geeignet sein konnte, die Contrahenten
von einer genauern Präcisirung ihrer gegenseitigen Stellung durch
förmliche Erklärungen abzuhalten.
Es kann indeß dieser Umstand begreiflicher Weise nicht dahin
führen, Ergänzungen der Willensäußerungen vorzunehmen, wenn die-
selben auch immerhin aus die hervorgehobene Veranlassung nach den
gehegten, aber nicht geäußerten Absichten unvollständig ausgedrückt
gewesen sein sollten. Wenn Beklagter die Folgerung macht, daß
Klägerin, weil sie den Pfandbrief als Deckung für genügend befunden,
dem erwähnten unbekannten Fremden creditirt habe, so ist dieselbe
einseitig und unzutreffend. Mit demselben Rechte würde anzunehmen
sein, der Beklagte habe beim Vorhandensein des Pfandbriefes kein
ihn treffendes Risico geahnt, und deshalb keinen Anstand genommen,
sich auf das Geschäft ohne Sistirung und' selbst Namhaftmachung
eines Mandanten, commissionsweise mit eigner Haftung einzulaffen.
Der Umstand, daß Beklagter bei dem Handel nicht weiter als
von ihm selbst angegeben wurde, mit der Sprache herausgegangen
ist, und daß äußere Anhaltspunkte für die Erkennbarkeit seiner In-
tention, als Vermittler oder Bote zu contrahiren, fehlen, macht es
unmöglich, der Beurtheilung einen andern Satz, als den zum Grunde
zu legen, daß im Zweifel anzunehmen ist, Jeder, wer contrahirt,
handle seinem Mitcontrahenten gegenüber im eignen Namen.
Hiernach ist durch die Bestätigung des Erkenntnisses erster In-
stanz dem Geklagten nicht zu nahe getreten, und befindet sich derselbe
nicht in der Lage, sich über eine ihn verletzende unrichtige Entschei-
dung zu beklagen. T.

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