Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Königreich Bayern. Art. 3G9.

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Im vorliegenden Falle ist unbestritten, daß Beklagter in seinem
Namen, jedoch für Rechnung des Klägers eine von den Dreschmaschi-
nen, deren Verschleiß Beklagter gegen Verrechnung eines Preises von
240 Fl. übernommen hatte, im Frühjahr 1865 an den Oekonomen
Forstel veräußert hat.
Die Klagebehauptung, der Kaufpreis sei sofort nach Verkauf
an den Kläger abzuliefern gewesen, wornach also nur gegen ba ar
vom Beauftragten verkauft werden durfte, hat dieser zwar als unwahr
widersprochen.
Dieser Widerspruch hat jedoch deshalb keine rechtliche Wirkung,
weil unbestritten das ganze Verkehrsverhältniß zur Zeit der Klag-
stellung beendigt gewesen ist, Kläger für die eben besagte Maschine
mit seiner Forderung noch nicht befriedigt ist, und als Regel gilt, daß
das allenfallsige Creditiren des Kaufpreises seitens des Beauftrag-
ten zur Folge hat, daß dieser dem Auftraggeber sofort als Schuld-
ner des Kaufpreises die Zahlung leisten muß.
Nun hat zwar Beklagter sich nicht auf jenen Widerspruch der
Klagbehauptung beschränkt, sondern sich auch auf die ausdrückliche
Gestattung einer Creditirung der Kaufschillinge bezogen, allein das-
jenige, was er hierüber vorgebracht hat und nun im Berufungswege
zum Gegenstand einer Beweisauflage gemacht wissen will, ist zu all-
gemein, als daß es berücksichtigt werden könnte; denn es ist nirgends
aufgeklärt worden, ob die angebliche Einwilligung zur Creditirung bei
Eingehung des Rechtsverhältnisses oder wann sonst, ob sie für sämmt-
liche Maschinen auf einmal oder für die hier in Frage stehende be-
sonders, dann unter welchen Umständen und namentlich auf welche
Zeit und mit Rücksicht auf welche sachlichen und persönlichen Verhält-
nisse der dritten Abnehmer ertheilt worden sein soll.
Hierzu kommt noch der weitere Umstand, daß Beklagter zu dem
Käufer Förstel im Schuldverhältnisse und dadurch im eigenen Ab-
hängigkeitsverhältnisse zu demselben stand, sich also wahrscheinlicher-
weise lästigere Kaufsbedingungen setzen lassen mußte, welche nur ihn
berührten, und daß endlich Beklagter in seinem anerkannten Briefe
vom 24. Juli 1865 dem Kläger gegenüber kein Wort von einer erhal-
tenen Bewilligung zur Creditirung des Kaufpreises spricht, vielmehr
die bisherige Unterlassung der Ablieferung des schuldigen Kaufpreises
allein damit zu entschuldigen sucht, daß er keinen Kreuzer Geld für die

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