Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Praktische Bemerkungen zum Eisenbahnrechte rc.

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daß die beklagte Bahn sich eines äolus oder Versehens schuldig ge-
macht habe. — Eisenb.-Zeitg., a. a. O. —
11. Ein mit Karte Versehener beging die Bahn, wurde aber
von einem durch Sturm aus dem Bahnhofe Pinneberg fortgetriebenen
Packwagen erwischt und so schwer beschädigt, daß ein Arm amputirt
werden mußte. Das Oberappellationsgericht zu Kiel wies unterm
30. März 1850 die Klage des Verunglückten ab, weil derselbe sich
vor jedem möglichen Schaden selbst hüten und sich sagen müssen, mit
welchen Gefahren das Betreten der Bahn verbunden sei. — Koch,
a. a. O., Anl. XXXIIlb, S. 357 und Beschorner, a. a. O.,
S. 276. — So richtig auch das Letztere ist, so fragt es sich doch, ob
eine Gefahr, wie die fragliche, durch bessere Verwahrung der Wagen
im Bahnhofe von der Verwaltung nicht zu vermeiden gewesen wäre?
In diesem Sinne hatte denn auch in erster Instanz das Obergericht
zu Glückstadt die Altona-Kieler Eisenbahn in eine lebenslange Ent-
schädigung von 4 Mark wöchentlich verurtheilt.
12. Das Oberlandesgericht zu Magdeburg verurtheilte am
20. Juli 1848 die Magdeburg-Halle-Leipziger Bahn zur Gewährung
des bis zu seiner Wiederherstellung entzogenen Verdienstes des Klä-
gers — Lokomotivführers, — welcher durch das in Folge nachlässiger
Instandhaltung der Bahn veraulaßte Entgleisen eines Zugs schwer
beschädigt worden war — Koch, a.a.O.,Anl.XXXIIIo,S.359.—
13. Die oberschlesische Eisenbahn hatte, um eine Ueberbrückung
der Oder unterhalb Breslau zu bewerkstelligen, eine Pfahlwerk als
Rostunterlage in dieselbe legen lassen, ohne dieß öffentlich bekannt zu
machen und in geeigneter Weise zu signalisiren. Ein damit unbekann-
tes Schiff trieb dagegen, scheiterte und der Steuermann ertrank.
Das Obertribunal zu Berlin verurtheilte in Uebereinstimmnng mit
der zweiten Instanz, die Bahn, weil sie es an den nöthigen Siche-
rungsmaßregeln fehlen lassen, zu vollem Schadenersatz in einem Erk.
v. 13. Nov. 1857. — Koch, a. a. O., Anl. XXXIVa, S. 363. —
14. Ein Arzt, welcher ohne seine Schuld auf der westphälischen
Bahn schwer verletzt worden und das Bett 26 Tage lang hüten
mußte, verlangte Versäumnißkosten wegen der Einbuße in seiner
Praxis. Das Obertribunal zu Berlin wies den Kläger jedoch damit
in einem Erk. vom 14. Decbr. 1857 ab, weil, obschon übrigens die
Bahn für haftpflichtig erkannt wurde, Versäumniß nicht unter den

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