Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 13 (1868))

Praktische Bemerkungen zum Eiseubahnrechte rc. 467
Das preußische Landrecht — 1. Thl., 6. Tit., Z 98 bis 129 —
verlangt bei 1) Körperverletzung: a. Cur- und Heilkosten, d. bei Per-
sonen vom Bauer- oder gemeinen Bürgerstande ein billiges Schmer-
zengeld, e. bei größeren Versehen Ersatz für entzogenen künftigen
Gewinn, cl. bei veformirten unverheiratheten Frauenspersonen eine
angemessene Ausstattung; 2) bei Tödtnng: a. Kosten der Cur, des
Begräbnisses, der Trauer, b. bei größeren Versehen der Wittwe und
den Kindern zu gewährende standeslnäßige Unterhaltung und bez.
Ausstattung.
Das französische Recht enthält direct nichts in der fraglichen
Beziehung und der Cocte Napoleon verweist Art. 1146, in Ansehung
des durch Nichterfüllung des Vertrags verursachten Schadens, nur
aus das römische Recht als raison ecrite.
Das sächsische Gesetzbuch verordnet tz 1489 bis mit 1492,
daß der Verletzende die Heilungskosten zu vergüten, Schmerzengeld
zu bezahlen, wegen des künftig entgehenden Verdienstes, selbst bei
Verstümmelung und Verunstaltung, Schadenersatz zu leisten, die
Beerdigungskosten zu berichtigen, und den von dem Verletzten oder
Getödteten zu Unterhaltenden den entgehenden Unterhalt zu gewähren
verbunden ist. — Sieb enhaar, Commentar, 2. Bd., S. 349 flg.
Sintenis, Anleitung zum Studium des sächs. bürg. Gesetzbuchs,
S. 412. — Schon der Sachsenspiegel sprach von einem „Wehrgelde"
(Wivergeld, Widergeltnng, Friedegeld, Reungeld, Dreigeld), welches
ursprünglich in 44 Schock oder 18 Pfund für eine gctödtete Manns-
person und in der Hälfte für ein Frauenzimmer bestand, später aber
aus 20 und bez. 10 Thlr. herabgesetzt wurde. Bei Verwundungen und
Verstümmelungen nahm man oft die Hälfte des Wehrgeldes an,
stets aber setzt man fahrlässige Tödtnng und bez. Verstümmelung
voraus.
Fällt nun die Schuld der Verletzung oder Tödtnng auf die
Verwaltung der Eisenbahn oder Einen der von dieser zu vertretenden
Beamten, dann ist nichts Natürlicheres und Rechtlicheres, als daß
diese Ansprüche auch an die betreffende Bahn gemacht werden können.
Ein von Koch „Deutschlands Eisenbahnen" in der AnlageXVIII6,
S. 184 mitgetheiltes Erk. des Appellationsgerichts zu Frankfurt vom
8. März 1858 spricht diese Haftverbindlichkeit kurz und bestimmt in
den Worten aus: „Eisenbahn-Unternehmer gehen, nicht blos hinsicht-
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