Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Zu Art. 354—359 des H.-G.-B.s rc.

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dem Kaufmanne der entgangene sichere Gewinn eine noch höhere
Bedeutung hat, ja einem positiven Schaden sehr nahe steht22).
Nach den bisherigen Ausführungen können wir die von Manchen
in Bezug auf die in Frage stehende Geltendmachung eines erweislich
höheren Schadens nach Art. 357, Abs. 3 des H.-G.-B.s ausgestellten
allzugroßen Beschränkungen nicht für begründet ansehen.
Insbesondere scheint uns auch v. Hahn, der ausgezeichnete
Commentator des H.-G.-B.s, etwas zu weit zu gehen, wenn er in
seinem allgemein als trefflich anerkannten Commentar zu Art. 357, § 5
die fragliche Differenzberechnung für den bezüglichen Fall als
die einzig zulässige Berechnungsart des Interesses im Sinne des
Gesetzes erklärt, und nur für den Fall, daß es dem Käufer gar nicht
möglich war, zur Lieferungszeit die zu liefernde Waare überhaupt
oder zum fraglichen Preise sich anzuschaffen, insbesondere also, ab-
gesehen von etwaigen Schwierigkeiten der Beischaffuug des Kauf-
preises, dann, wenn die Waare nicht vorhanden war, die Zulassung
einer höheren Jnteresseberechnung, namentlich auch der Zugrund-
legung des Marktpreises eines anderen Ortes als des Lieferungs-
ortes als möglich zugibt
Der Wortlaut des Gesetzes dient dieser Ansicht, wodurch unter
Umständen der Käufer unseres Erachtens unbillig verkürzt werden
kann, durchaus nicht zur Stütze, wie schon gezeigt wurde, er spricht
vielmehr in seiner allgemeinen, unbeschränkten Fassung entschieden
dagegen. Allerdings darf man nach anerkannten Regeln einer ver-
nünftigen Auslegung, die auch im Art. 278 des H.-G.-B.s einen
sachgemäßen Ausdruck gefunden haben, auf den Wortlaut allein und
namentlich auf den buchstäblichen Sinn einer einzelnen Stelle nicht
das entscheidende Gewicht legen; allein auch aus sonstigen Bestim-
mungen des H.-G.-B.s selbst läßt sich die angeführte Ansicht nicht
22) Von dem einem Kaufmanne entgangenen bestimmten, sicheren Ge-
winne kann man wohl mit gutem Grunde sagen: Damnum incurrere videtur,
qui lucrum amittit.
Daß auch ein Kaufmann bei der Rücksicht auf Gewinn die Rücksicht auf
Treue und Glauben nicht verletzen, und demnach die Erfüllung oder Nicht-
erfüllung eingegangener Verträge nicht zur Speculation ans den Schaden des
anderen Theils mißbrauchen darf, versteht sich von selbst. Vgl. Bd. I, S. 546
dieses Archivs.
2») Siehe auch Bd. XI, S. 476.477 dieses Archivs. Vgl. Note 14 oben.

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