Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

374

Abhandlungen.

des handelsrechtlichen Systems über den Verzug bei dem Kaufe
(Art. 354—359 des H.-G.-B.s).
Um dessen Sinn und Bedeutung richtig aufzufassen, muß man
sich die betreffenden Grundsätze, namentlich den Inhalt der voraus-
gehenden Bestimmungen der Art. 354 flg., deren Entstehungsge-
schichte als eine ziemlich verwickelte erscheint* 2 3), in ihrem Zusammen-
hänge vergegenwärtigen.
Der Art. 354 bestimmt, welches Recht der Verkäufer hat, wenn
der Käufer mit der Zahlung des Preises (vor übergebener Waare)
im Verzüge ist, während der Art. 355 festsetzt, welches Recht dem
Käufer zusteht, wenn der Verkäufer mit der Uebergabe der Waare
im Verzüge ist.
Jeder von Beiden hat im bezüglichen Falle die Wahl, ob er
entweder
1. die wirkliche Erfüllung des Vertrags nebst Schadens-
ersatz wegen verspäteter Erfüllung, oder
2. statt der wirklichen Erfüllung Schadensersatz wegen
Nichterfüllung fordern, oder aber
3. ganz vom Vertrage abgehen will, als ob derselbe nicht
geschlossen wäre.
Im zweiten und dritten Falle, also wenn statt der Erfül-
lung Schadensersatz wegen Nichterfüllung oder Abgehen vom Ver-
trage gewählt wird, muß der wählende dieses dem anderen Theile
anzeigen und ihm, sofern die Natur des Geschäftes es zuläßt 4), noch
eine angemessene Frist zur Nachholung des Versäumten gewähren.
Art. 356.
Der Verkäufer hat jedoch im zweiten Falle, wenn er Scha-
densersatz wegen Nichterfüllung beansprucht, nicht nur das Recht,
sondern, im gemeinsamen Interesse, zugleich die Verpflichtung,
die Waare unter Beobachtung der Bestimmungen des Art. 343, also

nen Art vorzugsweise über derartige Maaren abgeschlossen zu werden pflegen.
Siehe auch Brinckmann, Handelsrecht, § 89.
2) Vgl. Makower, deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 354, Note 37 (f. auch
unten Note 24).
3) Wegen des Verzuges in der Empfangnahme der Waare vergl.
Art. 343. 346. 347.
4) Bgl. Bd. XI, S. 177 dieses Archivs.

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