Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

370

Abhandlungen.

Diese verschiedenartige Auffassung der Engagements-Ver-
träge kaufmännischer Hülfspersonen wird aber, unseres Erachtens,
durch die mitgetheilten Entscheidungsgründe des Obertribunals nicht
gerechtfertigt. Schon Rolofs hat (Busch, Arch., Bd. VII, S.
21 flg.) ausgeführt, daß diese Entscheidungen nicht mit einander ver-
einbar seien. Die Verträge, durch welche der Kaufmann sein Hülss-
Personal annimmt und bestellt, fallen, bezüglich ihrer handelsrecht-
lichen Natur, überall unter das Princip der Art. 273.274 H.-G.-B.,
mögen die Hülsspersonen nun zur Leistung sactischer Dienste im
Gewerbe (Buchhalter, Comtoiristen), oder zum Abschluß von Rechts-
geschäften für den Principal (Procurist, Handlungsbevollmäch-
tigte), oderzubeidenZwecken(Reisende,Ladendiener) angenommen
und bestellt sein.
Die erstere Annahme des Obertribunals, welche die Dienstver-
träge der Handlungsgehülfen nicht für Handelsgeschäfte erachtete,
hat denn auch in der Theorie und Praxis keinen Anklaug gefunden.
Von den Gerichtshöfen ist ihr nur das Stadtgericht zu Königsberg
und das Kammergericht beigetreten, wie schon oben angeführt. Ent-
gegengesetzter Ansicht sind das Stadtgericht zu Berlin in sei-
nen Erkenntnissen vom 15. October 1863, 7. Februar, 9. Juni, 24.
September 1866 (Busch, Arch., Bd. III, S. 77; Bd.IX,S. 125.
158; Centr.-Org., N.-F., Bd. III, S. 353), das Stadtgericht zu
Breslau im Erk. vom 8. Sept. 1863 und das Appellations-
Gericht zu Breslau im Erk. vom 28. Mai 1864 (Centr.-Org.,
N.-F., Bd. I, S. 224), das Appellatio ns -Gericht zu Hamm
im Erk. vom 5. Oct. 1864 (Gr u ch o t, Beiträge, Jahrg. XI, S. 414).
In der Th eolrie endlich herrscht völlige Uebereinstimmung da-
rüber, daß die Verträge über Annahme und Bestellung kaufmännischer
Hülfspersonen für Handelsgeschäfte im Sinne der Art 273. 274
H.-G.-B. zu erachten seien. Wir nennen nur Goldschmidt,
(Handelsr., Bd. I, S. 490 flg.), v o n H ah n (Comm., Bd. I, S. 41),
Thöl (Handelsr., S. 90), Martin (Busch,Arch., Bd. VII, S.
XIX), Hoffmann(Gruchot, Beiträge, Jahrg.XI,S. 414. 415,
Note 6), Roloff (Busch, Arch., Bd. VII, S. 21), Lesse (Ger.-
Zeitg., 1865, S. 88. 92 und Busch, Arch., Bd. VI, S. 25),
Kehßner (Anw.-Zeitg., 1866, Sp. 483).
Die hier vorgebrachteu überzeugenden Gründe haben denn auch,

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