Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 13 (1868))

7. Abhandlungen

7.1. Handelsrechtliche Controversen

Abhandlungen.

i.
Handelsrechtliche Controversen.
Von Herrn Appellations-Gerichts-Rath Boigtel in Magdeburg.

Als mit dem Jahre 1862 die Einführung des allgemeinen deut-
schen Handelsgesetzbuchs begann, und damit an Stelle des alten,
durch Novellen und Controversen vielfach durchlöcherten, belasteten
und verdunkelten Rechts ein modernes, von Rechtsgelehrten und Kauf-
leuten verfaßtes Gesetzbuch trat, welches auf den ersten Blick einen
übersichtlichen, Jedermann verständlichen Inhalt darstellte: da hörte
man von manchen Seiten, zumal von Nicht-Juristen, mehrfach die
Meinung äußern*), hier sei nun endlich einmal ein Gesetzbuch ge-
geben in einer durchaus klaren, für den Laien verständlichen
Sprache, die keine zwiefache Deutung zulasse. Nun werde
man, wenigstens auf handelsrechtlichem Gebiete, der richterlichen
Urtheilsfindung, der Advocaten und Rechtsgelehrten entbehren können,
welche in die Gesetze Dinge „hinein-geheimnissen" wollen, die
nicht darin stehen, und welche fast allenthalben bemüht seien,
durch schwer verständliche Handhabung im Verfahren und in der
Urtelsfassung ihren außenstehenden Mitbürgern die Gesetzeskenntniß
zu erschweren.
Nun sei, so glaubte man vielfach, das goldene Zeitalter des
Rechtslebens angebrochen. Nun könne man getrost die ganze seit-
herige Handelsrechts-Wissenschaft und Gesetzgebung bei Seite legen.
*) So z. B. die Correspondenz aus Stettin im Central-Organ für den
deutschen Handelsstand, Jahrgang 1862, S. 13.14. — Vergl. auch Isis, der
Mensch und die Welt von E. Radeuhausen, Hamburg, 1863, Bd. IV, § 473,
S. 483 flg.

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