Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Königreich Württemberg. Art. 319.

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Sie gef. p. Schiff an Herrn M. E. in M. verladen lassen und mir
Rechnung hierüber ertheilen."
worauf die Beklagten sofort am 12. Juni znrückschrieben:
„Antwortlich Ihres werthen Gestrigen soll der Versandt der
alten Dampfkessel keinen Anstand haben. Sie wünschen dieselben
aber per Schiffer nach M. und auf diese Art werden für Verladen
u. s. w. Kosten verursacht, ebenso für Assecuranz, welche beide
wir nicht tragen können.
Geben Sie uns daher gefällige Auskunft, ob Sie damit ein-
verstanden sind, wenn wir Ihnen diesen Aufwand berechnen."
Am 24. Juli 1867 — also 6 Wochen später — erschien Kläger
in H., um die Kessel in Empfang zu nehmen, erhielt aber des Tags
darauf den schriftlichen Bescheid:
„Bezugnehmend auf unsere gestrige Unterredung haben wir
Ihnen hierdurch zu melden, daß fragliche Kessel nunmehr verkauft
sind."
Gestützt auf diesen Hergang erhebt nun der Kläger Klage auf
Herausgabe der drei von ihm gekauften Kessel.
Die Klage wurde abgewiesen, weil Kläger den Beweis des Zu-
standekommens des Vertrages, aus dessen Festhaltung geklagt worden,
nicht zu erbringen vermocht hat. Die Entscheidungsgründe führen ans:
Nach dem Vorbringen der streitenden Parteien kann das Schrei-
ben der Beklagten vom 3. Juni v. I. nicht als eine Annahme des
mündlich gemachten Kaufs-Offerts, sondern nur als ein Verkaufs-
Offert von Seiten der Beklagten angesehen werden. Dieß ergibt
sich daraus, daß zugegebenermaßen mündlich von 4 zu kaufenden
Kesseln die Rede war, während nach dem Schreiben vom 3. Juni
blos 3 abgelassen werden wollten, mithin eine wesentliche Einschrän-
kung der mündlichen Beredung gegenüber eingetreten ist,
Vgl. Art. 322 des H.-G.-B.s,
Thöl, Handelsrecht, S. 416 flg.,
Endemann, Handelsrecht, S- 464,
Wächter, Handelsrecht, S. 128,
Brinkmann, Handelsrecht, S. 71—72,
und daß noch überdieß ausdrücklich einem „Bescheid," d. h. einer
Acceptationserklärung von den Offerenten entgegengesehen wurde.

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