Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Königreich Sachsen. Art. 357.

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schieden sind, insofern — als worüber unter den Parteien Einver-
ständniß obwaltet — Kläger in Glauchau, Beklagter aber in Chemnitz
wohnt, und weiter nach dem erklärten Einverständnisse der Parteien
dem Kläger das bestellte Mehl auf Grund getroffener vertrags-
mäßiger Verabredung von Breslau aus nach Glauchau zn liefern
gewesen ist. Bei derartigen Lieferungskäufen kann der Verkäufer
darauf, daß ihm das Kaufgeld Zug um Zug entrichtet werde, abge-
sehen von dem hier nicht vorliegenden Falle der Vorausbezahlung,
nur dann bestehen, wenn er die Waare an einen Dritten am Wohn-
orte des Käufers absendet, um sie diesem gegen Zahlung auszuhän-
digen. Denn dem entfernt wohnenden Käufer ist in diesem Falle
nicht zuzumuthen, eher zu bezahlen, als bis er in die? Lage gesetzt
war, Quantität und Beschaffenheit der Waare zu prüfen, und somit
zu beurtheilen, ob der Verkäufer den Contract gehörig erfüllt habe,
zu vergl. Treitschke, Kaufcontract, § 62, S. 239 der
zweiten Auflage,
vielmehr kann der Erstere in der Regel vorerst erwarten, ob der Ver-
käufer, welcher sonach mit der Erfüllung den Anfang zu machen hat,
gehörig liefern werde. Die Realoblation des Kaufpreises Seiten
des Käufers kann daher auch in Fällen dieser Art nicht erst für er-
forderlich erachtet werden, um einen Verzug des Verkäufers, welcher
zur bestimmten Zeit nicht oder nicht gehörig lieferte, herbeizuführen
und den Anspruch auf Vergütung des durch dessen Säumniß dem
Käufer entstandenen Schadens zu begründen. Wie vielmehr solchen-
falls der Verkäufer im Verzüge sich befindet, wenn er die von aus-
wärts her an den Käufer zu sendende Waare nicht rechtzeitig verladet
und abliefert, so genügt auch solchenfalls schon die einfache Unter-
lassung rechtzeitiger Lieferung auf Seiten des Verkäufers, um ihn
für die Folgen des Verzuges dem abwesenden Käufer gegenüber ver-
antwortlich zu machen.
Zu vergl. Treitschke, a. a. O.
Wochenblatt für merkwürdige Rechts fälle, Jahrg. 1863,
S. 7.
Zeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung, N. F.,
21. Bd., Nr. 166, S. 361.
Annalen des k. Oberappellationsgerichts, 5. Bd., S.380.
Nun hat aber Beklagter eingeräumt, daß er dem Kläger das

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