Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 740.

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rechnet werden sollen, zu diesen Personen unstreitig auch der Lootse,
unter dessen Führung das Schiff fährt, gezählt werden muß und es
sich sonach nur als eine folgenlose Ungenauigkeit der Redaction dar-
stellt, wenn scheinbar im Art. 740 der Zwangslootse der Gesammtheit
aller die Schiffsbesatzung bildenden oder zur Zeit auf dem Schiffe
angestellten Personen entgegengesetzt wird, anstatt etwa mit dem cor-
recteren Ausdruck „und die übrigen zur Schiffsbesatzung (nach der
Definition des Art. 445) gehörigen Personen" als in derselben ein-
begriffen auch an dieser Stelle anerkannt zu werden; — da sodann,
wenn es zwar nach Grundsätzen der Auslegung nicht unbedenklich er-
scheint, aus dem Art. 740 ohne Weiteres mittelst des Arguments e
contrario zu folgern, es doch andererseits nicht minder unzulässig
sein würde, diesen Artikel nur als eine vereinzelte Consequenz aus der
in den früheren Artikeln über die Verhaftung des Rheders aufgestell-
ten Regel auffassen zu wollen, zumal da es hierbei unerklärt bliebe,
weshalb der Art. 740 den besonderen Fall der Führung des Zwangs-
lootsen hervorgehoben haben sollte, wenn das System des Gesetz-
buches gefordert hätte, das Gleiche, was hier nur von Zwangslootsen
ausgesprochen wird, principiell auch für die Führung durch jeden an-
deren vom Schiffer angestellten Lootsen vorzuschreiben; da vielmehr
die Vergleichung der betreffenden Stellen der Commissionsprotocolle
(S. 1781—1786. 2027—2033. 2791—2793. 2919—2921) es be-
stätigt, daß die wiederholte Berathung nur zu dem Resultat geführt
hat, den von dem Zwangslootsen verschuldeten Zusammenstoß als
einen Fall höherer Gewalt, von welcher das Schiff betroffen worden,
mittelst der positiven Vorschrift auszuzeichnen, welche den Rheder von
der Verantwortung für einen so entstandenen Schaden freispricht,
während im Uebrigen in Betreff des Einflusses der Führung von
Lootfen die divergirendsten Ansichten in der Commission vertreten
waren und die Discussion zu keinem anderen Ergebniß geführt hat,
als daß diese Streitfrage der Entscheidung nach allgemeinen Rechts-
principien Vorbehalten bleiben sollte und derselben anheim gegeben
ist; — da nun, anlangend diese hier anzuwendenden Grundsätze, die-
selben keineswegs — wenigstens für Hamburg — dem römischen
Recht, insbesondere nicht dessen Theorie, daß der Mandatar für die
Handlungen der von ihm befugter Weise und mit gehöriger Sorgfalt
erwählten Substituten dem Auftraggeber nicht aufzukommen hat,

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