Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

Königreich Sachsen. Art. 347.

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nicht verpflichtet gewesen, diese Tonne Shrup, welche er nicht bestellt
gehabt, zu behalten und zu bezahlen. Dafern nun aber diese Tonne
Shrup diejenige sein sollte, welche Beklagter zur eigenen Abholung
bestellt habe, so sei dagegen einzuwenden, daß Kläger zu warten hatte,
bis Beklagter sie abholen werde, oder wenn ihm die dazu genommene
Zeit zu lang wurde, so habe er lediglich auf Abholung und Bezah-
lung klagen können, und wenn er trotzdem den Shrup dem Beklagten
zugeschickt, so habe er die bestellte Qualität schicken und die Rück-
sendung sich gefallen lassen müssen. Kläger habe aber die bestellte
Sorte feinen englischen Shrup schlechterdings nicht geschickt, sondern
eine ganz ordinäre Sorte deutschen Fruchtshrup, welche auch den
facturirten Preis nicht habe, sondern viel weniger Werth sei.
Beklagter beantragte die Untersuchung des betreffenden, bei
einem Spediteur in Z. lagernden Fasses durch einen kaufmännischen
Sachverständigen.
Bei der dießfalls am 13. Mai 1867 vorgenommenen Besich-
tigung, bei welcher jedoch Kläger das bei dem betreffenden Spediteur
lagernde Faß nicht zu recoguosciren vermochte, erklärte der Sach-
verständige, daß der in dem Fasse enthaltene, von ihm geprüfte
Syrup kein englischer, sondern sog. halbindischer Shrup sei, von dem
der Centner einen Werth von nur 7 Thlr. bis 7 Thlr. 15 Ngr. habe.
Hierauf erkannte das Handelsgericht zu Glauchau unterm
18. September 1867 also:
„Weil nach der Erklärung des Beklagten derselbe auf den Um-
stand, daß die von ihm bei dem Reisenden des Klägers bestellte
Quantität Shrup nicht der Verabredung gemäß bei dem Letzteren
bis zu der im Belieben des Beklagten stehenden Abholung derselben
verblieben sei, ein erhebliches Gewicht nicht zu legen und das Ab-
gehen von dieser Verabredung Seiten des Klägers als Grund zur
Ablehnung seiner Verbindlichkeit zu benutzen nicht gemeint ist, sodaß,
wenn die vertragsmäßige und gesetzmäßige Erfüllung Seiten des
Klägers im Uebrigen seststünde, Beklagter zur Bezahlung des Kauf-
preises offenbar gehalten wäre, die nun von Beklagten in dieser
Richtung erhobene Einrede aber, welche nach dem Klagansühren und
der Beilage, sowie den Erklärungen Bl., verbunden mit der De-
position des abgehörten Sachverständigen als exceptio non adim-
pleti contractus sich darstellt, dahin führt, daß Kläger die ver-

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