Full text: Volume (Bd. 13 (1868))

2 Bezirk des O -A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 740.
Rhede nicht orientiren, sie mußten daher die Führung des Schiffes
dem Lootsen überlassen und seien sie dessen Befehlen pünktlich nach-
gekommen. Das Schiff hatte wenig Segel und kam mit reißendem
Strom auf. Die Nacht war sehr dunkel und täuschen alsdann die
Laternen in Hinsicht aus Entfernung außerordentlich; man war an
dem klägerischen Schiffe, als das Schiff noch entfernt schien. Er bitte
daher auf Grund Art. 740 des H.-G.-B. um Abweisung der Klage rc.
Kläger behauptet, die Verschuldung des Martello sei den vorlie-
genden Umständen nach nicht zu bestreiten und sei auch wohl vom
Gegner nicht eigentlich bestritten worden, wenn man Mannschaft und
Lootse als eins gelten lasse. Die Haupteinrede aber sei die, es habe
sich das Schiff unter Commando eines Zwangslootsen befunden. Nun
haben aber die Lootsen auf der Elbe gar nicht den Charakter von
Zwangslootsen, mit Ausnahme der hiesigen Hafenlootsen. In Betreff
der Böschlootsen sei dieß neuerdings durch Erkenntniß.ausgesprochen.
Ebensowenig aber seien die Galliots- oder die Kreuzerlootsen Zwangs-
lootsen, d. h. solche Lootsen, wo höhere Gewalt ein Schiff zwingt,
einen Lootsen und gerade diesen Lootsen zu nehmen. Er verweise über
den Begriff des Zwangslootsen auf das bei Gelegenheit dieses Ar-
tikels in den Seerechts-Conferenzm Gesprochene und in den Proto-
collen Enthaltene, wonach offenbar hier von einem Zwangslootsen
im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein könne. Das Wort „Zwang"
könne allerdings verschieden gedeutet werden, es komme aber wesentlich
daraus an, wer zwingt. Nehme z. B. ein Schiff in Folge des Con-
tracts mit dem Belader oder mit dem Assecuradeur einen Lootsen, so
sei das kein Zwangslootse, und selbst trenn es allgemein auf gewissen
Theilen des Reviers als Pflicht erachtet werde für den Schiffer,
einen Lootsen zu nehmen, ohne daß eint gesetzliche Bestimmung des-
halb vorhanden, so seien das nicht obrigkeitliche, sondern Nothwendig-
keiten, die man sich selbst auflege. Nun exPre in Betreff der Galliots-
lootsen ein Zwang rücksichtlich der Lootsen nicht, sondern nur rück-
sichtlich des Lootsgeldes, und auch in Betreff der Kreuzerlootsen sei
ein Zwang nicht vorhanden, dem Staat fei es gleichgültig, ob das
Schiff einen Lootsen nehme oder nicht, nur weil die Galliot dort im
Interesse der Schifffahrt gehalten werde und das Geld koste, habe er
das Interesse an der Leistung des Koftenbeiwags. Nach S. 1784
der Protokolle zum H.-G.-B. sei der Schiffer nur dann von Ver-

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