Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 13 (1868))

6. Handelsrechtliche Entscheidungen

6.1. Bezirk des Oberappellationsgerichts Lübeck

Handelsrechtliche Entscheidungen.

Bezirk des Oberappellationsgenchts zu Lübeck.
Art. 740.
Verschiedenheit der Lootsen. Gehört der Lootse zur
Schiffsmannschaft? Ist der durch einen Zwangslootsen
verschuldete Schaden als durch höhere Gewalt geschehen
zu betrachten?
Das klägerische Schiff (Johanna Mathilde) ist am 1. Januar
1867, als es auf der Rhede von Cuxhaven vor Anker lag, von einer
einkommenden dänischen Bark (Marcello) angesegelt worden.
Kläger behauptet, daß nach der seinseitigen Verklarung nicht
bezweifelt werden könne, daß die Lollision durch die Besatzung des
Martello verschuldet worden sei, indem man von diesem Schiffe aus
die hellbrennende Laterne des vor Anker liegenden klägerischen Schiffes
zeitig genug bemerkt haben müsse, um den Zusammenstoß zu ver-
meiden. Wind und Strom waren dem Einsegeln der Schiffe günstig
und an beiden Seiten des Algerischen Schiffes Raum genug zum
Vorübersegeln; wenn dennoch die Collision erfolgte, so liege dieß
theils am verkehrten Steuernder Bark, theils daran, daß man am
Bord dieses Schiffes nicht habe brassen lassen, als man sich der
Johanna Mathilde näherte. Kläger verlangt daher Ersatz des ihm
zugefügten Schadens.
Bekl. bezieht sich ach seinseitige Verklarung, nach welcher die
angebliche Verschuldung -es Capitäns und der Mannschaft unbe-
gründet sei, vielmehr müsse, gestützt auf Art. 740 des H.-G.-B., da
sich das Schiff unter C,mmando des Admiralitätslootsen befunden,
jede Verantwortlichkeit des Capitäns, Schiffers oder der Rhederei
zurückgewiesen werden. Weder den Capitän noch die Mannschaft
treffe eine Schuld; sie als Fremde könnten sich auf der ihnen fremden
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