Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

Aus dem kaufmännischen Erbrecht rc.

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paterfamilias, geschweige denn einem Kaufmann,*) wenn er sein
Haus bestellen will, die Ernennung eines Testaments-Epecutors als
eine zur „Sicherung" der Erfüllung seines letzten Willens geeig-
nete Maßregel zu empfehlen.
Es ist hier nicht der Ort, auf die Entwickelungs-Geschichte des
Instituts **) näher einzugehen und darzustellen, wie aus römischer,
germanischer und canonischer Wirthschast und Rechtsanschauung
dieser „rohe Centaur" zusammen gewachsen ist. Zur Orientirung
wird hier genügen, das man im 17. Jahrhundert die Stellung des
Testaments-Executors nach Analogie der Tutel beurtheilt hat, und
daß dann im 18. Jahrhundert die Mandatstheorie aufkam, welche
in das preußische Recht***) überging, und auch jetzt von vielen Rechts-
lehrern (Th ibaut, Mühlenbruch, Gerber, Sintenis), zum
Theil unter Erweiterung oder Modification des Mandatsbegriffes,
festgehalten wird. Beselerfi) bezeichnet die Ernennung des Te-
staments-Executors als eine Erweiterung der Testirfreiheit, und den
Executor als eine selbstständige Mittelsperson, welche den Erblasser
in formeller, wie der Erbe in materieller, Beziehung vertrete.
Von den neuesten Constructionen ist hervorzuheben die von
Koch-f-f), welcher die Bestellung des Testaments-Executors als ein
Vermächtniß auffaßt, sodaß derselbe als ein Onerirter erscheine, der
den Erben als eine selbstständige Zwischenperson mit der Machtfülle
einesFiduciar-Erben gegenüberstehe. Sodann die vonHinschiusl-fl-),
welcher so konstruirt: „Die einseitig vom Testator auf den Todesfall

*) Man vergl. die oben Seite 75 citirte Stelle aus Arnold 's Cultur- und
Rechtsleben.
**) Eine vollständige, präcise und übersichtliche Darstellung der Entwicke-
lungs-Geschichte findet sich in Sintenis, Civilrecht, Anm. 4 zu §. 182, 33b.III,
S. 478—484.
***) Preuß. allgem. Landrecht, Thl. I, Tit. 12, Z557: Hat der Erblafier
Jemandem die Vollziehung seines letzten Willens aufgetragen, so ist derselbe als
ein Bevollmächtigter des Erblassers, und die letztwillige Verordnung
selbst als seine Vollmacht und Instruction anzusehen.
1°) Beseler, deutsches Privatrecht, 2. Aust., S. 680. 681 und in der
Zeitschrift f. deutsches Recht, Bd. 9, S. 144 flg.
1"t) Koch, Erbrecht, 1866, S. 339. 349. 361.
++t) Preuß. Anwalts-Zeitung vom 29. Novbr., 6. u. 13.Decbr. 1866,
S. 753—768. 771—778. 785— 800.

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