Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

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Abhandlungen.

Ueber die rechtliche Auffassung des ersten Falles herrscht in
dem heutigen gemeinen und Particular-Rechte, wie es sich auf der
Grundlage des römischen Rechtes gebildet hat, im Wesentlichen Ueber-
einstimmung. Die gesammte, aus Sachen, Rechten und Verbindlich-
keiten bestehende Verlassenschaft wird nicht nur objectiv als ein
Ganzes, ein Inbegriff (universitas) aufgefaßt, sondern auch sub-
jecti V als eine juristische Person fingirt, welche die Person des
Erblassers fortsetzt und repräsentirt (bereditas jacens), und den
Uebergang seines Vermögens als eines Ganzen auf den Erben ver-
mittelt (Universal-Succession).
Im römischen Recht, wo die Delation und die Acquisition, der
Regel nach, zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen (bereditas non
adita non transmittitur), wird demnach die mit der Acquisition
eintretende Succession auf den Tod des Erblassers zurückbezogen*).
Im preußischen Rechte bedarf es keiner solchen Zurückbeziehung
und keiner hereditas jacens, da hier der deutschrechtliche Grund-
satz „der Todte erbt den Lebendigen" beibehalten ist, und sonach das
Eigenthum der Erbschaft mit dem Tode des Erblassers ipso jure
auf den Erben übergeht, welchem nur die Ausschlagung der Erbschaft
freisteht. (A. L.-R., Thl. I, Tit. 9, § 350. 367 flg.)
Im Falle dieser Ausschlagung, oder wenn der Erbe unbekannt
oder abwesend ist, kann allerdings auch hier ein Zwischen-Zustand
eintreten, wo die Erbschaft facti sch herrenlos ist, und ihr deßhalb,
ähnlich dem Römischen curator bonorum, ein Verlassenschafts-
Eurator bestellt wird, welcher Besitz und Verwaltung für den Erben
ausübt. (A. L.-R., Thl. I, Tit. 9, § 471 flg.) Die rechtliche
Herrschaft dagegen, das dominium bereditatis, ist auf jeden preußi-
schen Erben, wie auf den römischen suus, ohne sein Wissen und
Willen mit dem Augenblicke übergegangen, wo der Erblasser die
Augen schloß.
Da nun vermöge dieser successio in universum jus defuncti
die Gesammtheit der Vermögensrechte als solche auf den Erben
übergeht, so dauern auch die einzelnen Vermögensrechte in der Person
des Erben so fort, als wenn der Erblasser noch fortlebte und ein
*) Puchta, Pandekten, ß 27. 446. 447. 450. 500. — Sintenis, Civil-
recht, 2. Aufl., tz 16.158.185, Bd.I, S. 131; Bd. III, S.296.500. — Förster,
preuß. Privatrecht, 1865, § 21, S. 97.

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