Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

Freie Städte. Art 362—63.

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curanzcontract bezeichnete Genus, nicht auf individuelle, dem Genus an-
gehörige Sachen gerichtet anzusehen sei, alle Gegenstände, welche der
Beklagte ans dem in der Police bezeichnetem Locale entfernt habe, ohne
Weiteres als durch die Versicherung nicht mehr betroffen hätten behandelt
werden dürfen und müssen. Es hat freilich seine Richtigkeit, daß bei
Feuerassecuranzen der hier vorliegenden Art — bei Seeassecuranzen
findet regelmäßig das Gegentheil statt — nicht individuelle Sachen
als solche versichert zu werden pflegen; allein dieß führt nicht dahin,
der Entfernung von Gegenständen aus den Räumen, auf welche die
Assecuranz lautet, schlechthin die Wirkung beizulegen, daß sie bei der
Regulirung eines Schadens im Falle eines stattgehabten Brandes
nicht berücksichtigt werden müßten. Die versicherten Sachen bilden
nämlich als Theile einer n.r>ivcr8ita8 facti — den Umständen nach
unter mehr oder weniger genau bestimmten Grenzen — den Gegen-
stand der Versicherung. Dieß übt in mehrfacher Richtung Wirksam-
keit aus. Zunächst insofern, daß bei einem Wechsel der -einzelnen
Theile die Ergänzungsgegenstände ohne Weiteres an die Stelle ihrer
Vorgänger treten, also vom Versicherer mit gewährleistet werden,
während, wenn nur individuelle Gegenstände versichert sein sollten,
ein Wechsel derselben den Assecurateur entlasten würde. Dieß steht
denn auch in der alltäglichen Anschauung. Jedermann weiß, daß,
wenn Jemandem, wie hier der Fall, Versicherung geleistet wird auf
„Mobilien, Haus- und Küchengeräthe, Betten, Leinenzeug,
Kleidungsstücke, Spiegel, Uhren, Gemälde, Verzierungen,
Porzellan, Glas und lackirte Sachen,"
hierdurch alle Sachen dieser Art, welche jeweilig zu der universitas
facti zusammengebracht sind, mögen sie früher oder später angeschafft
sein, durch die Versicherung, soweit letztere nicht unwirksam ist, ge-
deckt werden. Anlangend sodann das hier in Betracht kommende
Ausscheiden, so haben die vorigen Richter mit Recht hervorgehoben,
daß es sich darum handelt, ob Gegenstände nur temporär, oder ob sie
für immer aus der an dem Orte der contractlichen Gewährleistung
vorhandenen Gesammtheit entfernt werden. Im letzteren Falle wird
die Gesammtheit um den Betrag des Ausgeschiedenen geringer an
Werth; im erstern bleibt dagegen der Werth derselben unverändert,
es wird jedoch der Assecurateur durch die Entfernung der Gegen-
stände in Betreff derselben seiner nur für einen bestimmten Ort ge-

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