Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

Die Anweisung.

39

Zahlungsmandat an den Angewiesenen und eine Cryebungsvollmacht
für den Assignatar enthält, so auch das Indossament. Dieses lautet
gewöhnlich in abgekürzter Form: für mich an X, würde aber vollstän-
dig lauten müssen: „Zahlen Sie für mich an X." Es kann keinem
Zweifel unterliegen, daß derjenige, welcher selbst zur Erhebung be-
rechtigt ist, einem Andern hierzu Vollmacht ertheilen kann, und daß
die Zahlung an diesen gerade so anzusehen ist, als sei sie an den Voll-
machtgeber geschehen. Die zweite Anweisung ist wohl eine neue,
aber keine selbstständige Anweisung, weil der Assignat nicht überhaupt
angewiesen wird, eine Summe für Rechnung des Anweisers zu zah-
len, sondern die bereits angewiesene Summe statt an den Assignatar
einem Andern zu zahlen. Das Indossament ist daher eine Anweisung
über die angewiesene Summe. Weil aber das Indossament eine
Anweisung ist, so ist es auch, wie diese, eine Vollmacht. Um die
rechtliche Natur der Anweisung, wie des Indossaments kennen zu
lernen, genügt es, die rechtlichen Eigenschaften der Vollmacht zu
untersuchen. Diese ist nichts Anderes, als die Ermächtigung, Etwas
statt des Vollmachtgebers zu thun; häufig versteht man darunter
auch die Urkunde, in welcher die Ermächtigung ertheilt wird. Durch
die Vollmacht wird der Bevollmächtigte ermächtigt, dasjenige zu
thun, was den Gegenstand der Vollmacht ausmacht; er wird aber
keineswegs hierzu verpflichtet, und gerade dadurch unterscheidet sich
die Vollmacht von dem Auftrag, indem der Beauftragte mittelst An-
nahme des Auftrags sich verpflichtet, das Aufgetragene auszuführen.
Da der Auftraggeber ebenfalls in Folge des ertheilten Auftrags
verpflichtet ist, dem Beauftragten alle bei Ausführung des Auftrags
gehabten Auslagen zu ersetzen und ihm die übliche Belohnung für
seine Mühewaltung zu zahlen, so wird der Auftrag (das mandatum)
z" den zweiseitigen Verträgen gerechnet, während die Vollmacht nur
den Vollmachtgeber verpflichtet, dasjenige anzuerkennen, was der
Bevollmächtigte innerhalb der Grenzen der ertheilten Vollmacht
gethan hat. Wenn man nun auch in der Ertheilung und Annahme
einer Vollmacht ein Zusammenwirken zweier Personen zu einem
bestimmten Rechtserfolg, d. h. einen Vertrag erkennen muß, so wird
doch nur Eine der beiden Vertragspersonen dadurch verpflichtet, die
andere dagegen berechtigt, ohne zu einer Gegenleistung verpflichtet
zu sein. Vollmachten gehören daher wie Schenkungen, Bürgschaften

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer