Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

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Abhandlungen.

Ziehung eines andern Rechtsverhältnisses, oder geht in den Begriff
der Anweisung oder Cession über." Ebenso Endemann § 127
sub B.: „ In diesem Fall geht das Jncasso-Mandat in Cession oder
Anweisung über." Dazu bemerkt er in der Note 23: „Man nennt
das mandatum in rem suam. Die römischen Juristen lehren aber,
ein Mandat zu Gunsten des Mandatars sei völlig wirkungslos. So
z. B. Gajus in 1. 2 D. mandati (17. 2) und Ulpianus in 1. 6 § 5
D. ibid. Diese Ansicht beruht auf dem wohl allgemein anerkannten
Grundsatz, daß Niemand sich gegen sich selbst verbindlich machen kann.
Jede Verbindlichkeit setzt zwei verschiedene Personen voraus, von
denen die Eine berechtigt, die Andere verbindlich ist. Bei dem Man-
dat übernimmt der Mandatar die Verbindlichkeit gegen den Man-
danten, irgend Etwas für ihn zu thun, z. B. Geld für ihn zu erheben.
Eine solche Verbindlichkeit hat nur dann einen Sinn, wenn der Man-
datar die erhobene Summe dem Mandanten in Rechnung bringen,
d. h. diesem vergüten muß. Wenn er sie aber für sich behalten
darf, so hat der Mandant kein Interesse an der Ausführung des Man-
dats; daher sagt der römische Jurist von diesem Fall: supervacuum
est mandatum, das Mandat hat keinen Inhalt. So z. B. ist der
Mandatar im Fall der Nichtausführung des übernommenen Man-
dats zur Entschädigung verpflichtet. Wenn aber der Mandatar
die erhobene Summe für sich behalten soll, so ist der Mandant durch
die Nichtausführung des Mandats nicht beschädigt. Wie soll er
Schadenersatz begehren können? Nehmen wir an, A sucht bei B um
ein Darlehen von 100 Fl. nach; dieser gibt ihm eine Anweisung auf
seinen Bankier C, mit dem er in laufender Rechnung steht, wogegen
A einen Schuldschein über das erhaltene Darlehen ausstellt. A ist
nun allein dabei interessirt, die angewiesene Summe zu erheben; B
hat kein weiteres Interesse an der Erhebung. Im Gegentheil.
Wenn er dem Bankier die erhobenen Summen verzinsen muß, so
wird sein Interesse durch eine verspätete Erhebung befördert; denn er
spart die Zinsen für die Zeit der Verspätung. Wenn A gar nicht
erhebt, um so besser für B, seine Rechnung wird dann nicht für die
angewiesene Summe belastet. Kann man dieses Verhältniß als ein
Mandat bezeichnen? Ebensowenig wird die Anweisung als ein Ein-
cassirungsmandat gelten können, welche ich meinem Buchhändler gebe,
dem ich für Bücher eine gewisse Summe schuldig geworden bin. Er

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