Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

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Königreich Preußen. Art. 395.

lieserung entstanden ist, sofern er nicht beweist, daß der Verlust oder
die Beschädigung durch höhere Gewalt (vis major) oder durch die
natürliche Beschaffenheit des Gutes, namentlich durch inner« Ver-
derb, Schwinden, gewöhnliche Leckage und dgl. oder durch äußerlich
nicht erkennbare Mängel der Verpackung entstanden ist.
Der Kläger begnügt sich, zur Begründung der Nothwendigkeit
der eingeklagten Kosten die Behauptung aufzustellen, daß sich der
Roggen erhitzt habe. Daß die Erhitzung unterwegs eingetreten, läßt
diese Behauptung selbst schon nicht bezweifeln; der Inhalt des vom
Kläger eingereichten Ladescheins macht dieß gewiß. Denn der Kläger
bekennt darin, guten, gesunden, trocknen und reinen Roggen empfan-
gen zu haben. Hat sich also nach der Empfangnahme die Ladung
verschlechtert, so hat der Kläger dieß zu vertreten, es sei denn, daß er
den im Art. 395 H.-G.-B. nachgelassenen Beweis liefert. Es fehlt
jedoch gänzlich an der Angabe von Umständen, welche die Haftpflicht
des Klägers ausschließen. Dieß gilt auch bei Berücksichtigung der
in Uscz aufgenommenen Verhandlungen, aus deren Inhalt übrigens
die Klage keinen etwa als geeignet betrachteten Exculpationsgrund
ansührt.
Nach Mittheilung der Aussagen der in Uscz vernommenen
Zeugen und Sachverständigen heißt es weiter:
Beide Sachverständige erblicken hiernach die Ursache des Vor-
gefundenen schlechten Zustandes der Ladung darin, daß der Roggen
zu hoch im Kahne aufgeschüttet, daß während des Transportes heißes
Wetter war und die Blüthezeit des Roggens eintrat; eine nachthei-
lige Einwirkung des Wetters und der Jahreszeit auf den Roggen ist
nach dem Gutachten der Sachverständigen aus der zu hohen Aus-
schüttung zu erklären. Allerdings ist bei dieser Sachlage nicht zu ver-
kennen, daß äußere, von dem Willen des Klägers unabhängige Umstände
Einfluß auf den Verderb der Ladung geübt haben; aber sie haben eine
Wirkung nur in Folge der zu hohen Aufschüttung des Roggens ge-
äußert, und diese lag in der Gewalt des Klägers. Unternahm er einen
Getreidetransport bei heißem Wetter und zur Blüthezeit des Roggens,
so mußte er sich demgemäß mit seiner Ladung einrichten; es ist keine
Folge weder einer höhern Gewalt noch der natürlichen Beschaffenheit
des Frachtguts, wenn er den Roggen so hoch aufschüttete, daß deßhalb
Wetter und Jahreszeit schädlich wurden. Jedenfalls hat der Kläger,

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