Full text: Volume (Bd. 10 (1867))

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Königreich Preußen. Art. 390.

erst im Juli 1864 entstanden ist, zu dieser Zeit erst die Verpflichtung
des Verklagten, dem Kläger das Gut abzuliefern, dem Kläger gegen-
über entstanden war (vorher war es nur eine Verpflichtung dem
O. & Co. gegenüber), und seitdem, ja sogar seit der Entstehung des
Schadens bis zur Anbringung der Klage, dem 11. März 1865, noch
kein Jahr verlaufen war. Dagegen ist der Unterschied, welchen der
erste Richter zwischen einem Schaden, der das Gut während der
Lagerung beim Spediteur, und einem Schaden, welcher dasselbe
auf dem Transport betrifft, macht, im Art. 386 nicht begründet.
Es folgt aber aus der obigen Ausführung ferner, daß nicht der
Art. 380 des H.-G.-B., sondern nur Art. 282 daselbst zur Anwen-
düng zu bringen ist, daß daher der Verklagte zwar die Sorgfalt eines
ordentlichen Kaufmanns anwenden mußte, daß er aber die Anwen-
düng dieser Sorgfalt nicht zu beweisen braucht. Indessen ist dieß
im vorliegenden Falle nicht erheblich, da der" Verklagte sogar den
Nachweis dieser Sorgfalt geführt hat."
Es folgt nun die nähere Ausführung des letzten Satzes auf
Grund der oben gegebenen Beweisaufnahme, wobei namentlich ange-
nommen ist, daß das Faß bewiesenermaßen von den Rettungsmann-
schaften ohne Wissen des Verklagten ausgetrunken war, und daß dem
Verklagten unter den obwaltenden Umständen (namentlich bei der
durch die Feuersbrunst naturgemäß herbeigeführten Verwirrung)
weder bei der Aufsicht zur Zeit der Feuersbrunst, noch bei der Wahl
des Lagerungsortes ein Vorwurf treffen könne.
Eine Vernehmung des vom Kläger benannten Sachverständigen
Kaufman E. darüber:
ob der Verklagte sich einer groben Fahrlässigkeit bei der Beauf-
sichtigung während der Feuersbrunst schuldig gemacht?
ist abgelehnt, weil der Richter ohne ein solches Gutachten
die Frage nach den concreten Verhältnissen zu beantworten im
Stande sei. f

Art. 390.
VI. Zusatz. Wer den Transport von Sachen gegen
Lohn übernimmt, ist als Privatfuhrmann zu
erachten, gleichviel ob der übernommene Trans-

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