Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 10 (1867))

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Abhandlungen.

20. Wenn bei einem Maaren-Quantum die Bezeichnung „circa"
gebraucht wird, so hängt es von dem Verkäufer ab, bis inclusive zwei
Procent vom Gewichte mehr oder weniger zu liefern, was Käufer zu dem
behandelten Preise sich gefallen lassen muß.
III. Ortsgebräuche bei dem Getreide - Handel.
1. Zum Getreidehandel gehört auch der Handel mit Hülsenfrüchten
und Saaten.
2. Die Last wird zu 60 preußischen Scheffeln gerechnet.
3. Das Gewicht wird nach dem hiesigen Börsengewichte berechnet.
Ist das Gewicht durch zwei Zahlen, z. B. 118 bis 119 Pfd., oder 118
k 119 Pfd., oder 118/119 Pfd. bestimmt, so ist ein Gewicht zu liefern,
das die kleinste Zahl übersteigt, also z. B. mehr als 118 Pfd.
4 Ist das Quantum mit der Bezeichnung „circa" verabredet, so
gilt das Gewicht für fünf Procent einschließlich mehr oder weniger als
das in Zahlen bestimmte Quantum, wenn die vom Verkäufer angewiesene
Partie oder Partieen so viel mehr oder weniger enthalten. Der Verkäu-
fer darf von einem mit „circa" bezeichneten Quantum nach erfolgter
Anweisung weder etwas abnehmen, noch zu demselben etwas hinzufügen.
5. Die Nachprobe muß am Tage des Verkaufs und bei Lieferungen
am Tage der Ueberweisung genommen werden, insofern der Verkauf oder
die Ueberweisung zwischen dem 15. Februar und 15. October incl. und
zwar bis zum Schlüsse der Börse erfolgt. Außer dieser Zeit ist die Nach-
probe bis 11 Uhr Vormittags am nächsten Werktage zu nehmen. Werden
innerhalb dieser Fristen vom Empfänger keine Erinnerungen gemacht,
so ist die Nachprobe von demselben als übereinstimmend mit der Vorprobe
anerkannt. — Beim Empfange von der Eisenbahn wird die Nachprobe
erst genommen, nachdem das Getreide von der Bahn zu Boden gebracht ist.
6. Ergibt sich bei der Uebergabe, daß die Waare nicht contract-
mäßig ist, so bleiben dem Empfänger ungeachtet der anerkannten
Nachprobe seine Rechte Vorbehalten.
7. Die Bedingung „als Ueberschlag zu empfangen und nach einer
bestimmten Frist abzunehmen und zu bezahlen" heißt, daß der Käufer
nach erfolgtem Ueberschlage Eigenthümer wird, die Gefahr also auch auf
ihn übergeht, der Verkäufer jedoch bis zur vollständigen Bezahlung im
Pfandbesitze bleibt. Die Versicherung gegen Feuersgesahr besorgt der
Verkäufer auf Höhe des Kaufgeldes vom Tage des Ueberschlages bis
zum Tage des vollständig berichtigten Kaufgeldes für Rechnung des
Käufers.
8. Bei Empfangnahme aus dem Fahrzeug gilt Nachstehendes:
a. der Ueberlieferer hat die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß
der Schiffer an die Stelle, welche der Empfänger anzeigt, sofort
anlegt. Wenn das Fahrzeug an der bezeichneten Stelle ange-
legt hat, muß der Empfänger bei günstiger Witterung spätestens

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